Business Behaviour
Belehren Sie mich nicht!

Reden und Präsentationen vor Ausländern sollten Shows sein Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Der Vortrag von Ihnen ist etwas trocken geraten, zahlenlastig - aber dafür gespickt mit guten Informationen? Kein Problem, wenn Sie in Deutschland sind. Hier zu Lande sind wir daran gewöhnt, dass eine Rede keine Show ist. Unhöflich ist es nur - wie es kürzlich bei einer großen Veranstaltung einer internationalen Unternehmensberatung geschah -, wenn der Redner sich satte 70 Minuten Redezeit gönnt. Alle warteten auf das Essen, der Magen hing dann gegen 22 Uhr bis in die Kniekehlen, die Band wartete im Hintergrund schon auf ihren Auftritt und das Schlimmste: Das Publikum interessierte sich nicht mehr die Bohne für die Rede. Was der Mann sagte, wäre höchstens etwas für langjährige Kollegen gewesen.

Eine perfekte Rede, insbesondere vor internationalem Publikum oder ausländischen Geschäftspartnern, muss dies beherzigen: An erster Stelle steht ausgewiesene Freundlichkeit. Und zwar so deutlich, dass sie uns vielleicht schon übertrieben oder aufgesetzt erscheint. Auf keinen Fall darf der Redner besserwisserisch belehren. Diesen schweren Fehler beging eine deutsche Anwaltskanzlei und verdarb sich damit die erhoffte Partnerschaft mit dem amerikanischen Wunschpartner.

Amerikaner mögen nämlich kurze knappe Informationen und kurzfristige Strategieplanungen. Ein Redner, der Entspanntheit, Freundlichkeit und Kompetenz miteinander verbinden kann, hat hier schon gewonnen. Probleme sollte man nie als solche bezeichnen: Sie sind stattdessen Chancen und Herausforderungen - und am Ende steht immer eine gute Zusammenfassung mit einem positiven Ausblick: KISS, was so viel heißt wie "Keep it straight and simple". Weil Time Money ist, sollten Sie in den USA besonders strikt auf den Zeitrahmen achten. Erkundigen Sie sich stets, welcher Stil im Gastland herrscht. Amerikaner etwa stellen oft Zwischenfragen. Reagieren Sie nie mit Unmut, sondern erwidern Sie höflich "Oh, that?s an interesting question" und antworten knapp. Nur diese Reaktion weist Sie als global versierten Geschäftsmann aus.

Und dass auch die englische Sprache ihre Fallen hat, wollen sich die meisten nicht klar machen. Bis sie selbst hineintappen. Ich erinnere mich an eine große Vernissage, bei der der Künstler die Eingangsworte sprach und etwas über die Prägnanz seiner Bilder sagen wollte. Und weil das Englisch ja ach so einfach ist, übersetzte er Prägnanz flott mit "pregnancy" - was tatsächlich Schwangerschaft heißt - und wunderte sich, dass er für Erheiterung sorgte und keiner mehr seine Erklärung ernst nahm.

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