Business Behaviour
Beleidigen war im Preis gar nicht inbegriffen

Wer unangenehme Anordnungen von "oben" den Betroffenen hinterbringen oder gar durchsetzen muss, ohne die Befehlsgewalt zu haben, ist arm dran. Die unvermeidlichen Beschimpfungen kann nur stoppen, wer kühlen Kopf bewahrt und der Gegenseite ruhig klar macht, dass sie jetzt zu weit geht.

Häufig erwischt es die Mitarbeiter in Sandwich-Positionen. Sie müssen sich als Prügelknabe anblaffen lassen für etwas, das sie nicht zu verantworten haben. Ähnlich wie der Bote, der für die schlechte Nachricht gehenkt wird. Es sind die Mitarbeiter, die zwar schon eine Führungsposition haben - im günstigen Fall jedenfalls. Oder - im ganz ungünstigen Fall - die etwas koordinieren müssen, und nur "Bitte, bitte" sagen können - aber eben nichts par ordre du mufti veranlassen dürfen. Die sind arm dran. Sie müssen die Anweisungen von oben weitergeben oder können die Erwartungen der Chefs nur mit Hilfe der anderen erfüllen. Hinzu kommt: Diese Aufträge erfreuen diese anderen nur selten. Sie sollen mal eben Zusatzaufgaben erfüllen, noch ein paar Überstunden dranhängen und am besten gleich ihre derzeitige Arbeit so einfach stehen und liegen lassen.

Dann passiert so Unangenehmes wie dies, was kürzlich meine Freundin in einem Konzern erlebte. Sie musste Leuten außerhalb der Zentrale Leistungen abringen - und das unter Zeitdruck. Ob diese Aufgaben sinnvoll und gut waren oder nicht, steht auf einem anderen Blatt - jedenfalls bekam meine Freundin wieder mal alles ab: Wenig professionell bekam sie die Schimpfe für alles Mögliche. Die Betroffenen beklagten sich dann nicht nur über diese konkrete Aufforderung, sondern nahmen die Gelegenheit wahr, eine ganze Schimpfkanonade abzulassen: "In der letzten Zeit geht das hier alles zu weit, wie denkt ihr euch das in der Zentrale eigentlich ..." Und so weiter und so weiter.

Die Kollegen verwechselten den Verursacher mit dem Überbringer der schlechten Nachricht. Was jedenfalls in so einem Fall nie hilft, ist der Satz "Entschuldigen Sie bitte, ich habe mir das nicht ausgedacht. Ich gebe die Vorgaben nur weiter." Schwupps, hat man sich noch tiefer in die Defensive hineinmanövriert.

Gegen so viel Unhöflichkeit hilft aber nur eins - nachdem man den anderen ein wenig hat murren lassen: "Halt, stopp, ich bin nur der Überbringer und möchte mir keine Beschimpfungen anhören." Oder: "Ich beende jetzt das Telefonat, weil ich diese Reaktion nicht verdient habe." Oder: "Ich wünsche mir etwas mehr Professionalität und Respekt." Das sollte den Gegenüber zur Vernunft bringen und ihn bewegen, sich für seinen Ausraster zu entschuldigen.

Wirkliche Profis gestatten sich diese Eklats gar nicht erst, sondern setzen die Aufgabe erst mal so gut wie möglich um. Und beschweren sich über Überforderungen oder Aufträge zum falschen Zeitpunkt später - bei der richtigen Adresse.

Business Behaviour

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