Business Behaviour
Condoleezza schläft auf dem Boden

Es gibt einen großen Unterschied zu Benimm-Regeln in der Freizeit und auf gesellschaftlichem Parkett: Dort ist die Frau immer die Höherrangige. Daher gelten bei einer Besprechung in der Firma tagsüber andere Regeln, als beim Dinner mit denselben Kollegen.

War es wirklich ein Fauxpas? Als der britische Außenminister Jack Straw es geschehen ließ, dass sich Condoleezza Rice auf den Boden vor seiner Kabine zum Schlafen legte? In der Presse las es sich zwar so, doch eigentlich verhielt sich Jack Straw völlig korrekt. Die amerikanische Außenministerin hatte ihm nämlich als Gastgeberin in Ihrem Flugzeug das einzige Bett an Bord angeboten. Der britische Minister nahm dankend an. Und Rice bettete sich - wie selbstverständlich - kurze Zeit später auf dem Boden. Und nach den Business-Etikette-Regeln hatte er auch richtig gehandelt. Denn geschäftlich zählt nur die Hierarchie und die Funktion und nicht das Geschlecht. Das ist der große Unterschied zu Benimm-Regeln in der Freizeit und auf gesellschaftlichem Parkett: Dort ist die Frau immer die Höherrangige. Daher gelten bei einer Besprechung in der Firma tagsüber andere Regeln, als beim Dinner mit denselben Kollegen. Condoleezza Rice hatte die Gastgeber-Rolle und hat daher - völlig korrekt - ihrem Gast die Höflichkeit erwiesen und sich selber zurückgenommen. Hätte ein männlicher US-Minister dasselbe getan, wäre über diese Geste nie berichtet worden. Dennoch wirkte das Verhalten des Ministers unelegant, fast peinlich. Weil - geschlechtsneutral hin oder her - es Grundregeln gibt, die fest in der Gesellschaft verankert sind.

Wie aber ist es im normalen Berufsalltag? Sind die Bedingungen wirklich geschlechtsneutral? Vor Kurzem leitete ich ein Seminar für die Juristen der Rechtsabteilung eines großen Unternehmens. Die jungen Herren erschienen alle im dunkelgrauen Anzug und die jungen Juristinnen leider weniger professionell in bunten Farben und unterschiedlichen Kleidungsstilen. Mit dem Ergebnis, dass ich die Frauen für Assistentinnen hielt. Fatal, wenn dasselbe einem Kunden passiert. Dunkle Farben sind nach wie vor die konservativen Business-Farben, die Seriosität und Kompetenz vermitteln. Das klingt oberflächlich, aber der erste Eindruck gibt keinen Einblick in die fachlichen Fähigkeiten oder das Intellektuelle Niveau eines Gegenübers. Daher rate ich jungen Frauen, sich immer so zu kleiden, dass sie für die nächste - angestrebte - Position unter jedem Aspekt die Idealbesetzung wären. Das sieht natürlich bei Bankern, Kreativen, Journalisten oder Mitarbeitern der Modebranche ganz unterschiedlich aus. Daher ist es eminent wichtig, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern klar sagen, wie sie nach außen hin repräsentiert werden möchten. Am besten noch vor dem ersten Arbeitstag, damit die Weichen gleich richtig gestellt sind.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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