Business Behaviour
Darf ich Neid erwecken?

Was die Menschen in vielen Kulturen - neidlos - als Ergebnis harter Arbeit betrachten, lässt in unserer Kultur allzu häufig Neidgedanken aufkommen. Die Folge in den Unternehmen ist, dass sich die Kollegen gegenseitig das Leben schwerer machen als nötig.

Der Inhaber der PR-Agentur hatte sich nichts Böses dabei gedacht, als er mit einem sieben Jahre alten Porsche aus vierter Hand beim Kunden vorfuhr. Er hatte den Wagen gebraucht gekauft für kleines Geld. Doch welche Welle das machte und was das Ende vom Lied war, hatte er sich nicht träumen lassen. Der deutsche Chef der Tochtergesellschaft eines japanischen Konzerns platze vor Neid und sorgte dafür, dass der Mann den Auftrag verlor. Ins Gesicht hatte er es seinem PR-Berater freilich nicht gesagt: Dass es ihn mächtig stört, wenn sein Dienstleister ein größeres Auto fährt als er. Egal wie alt.

Aber auch offene Kommentare sind häufig, so nach dem Motto: "Na, Ihnen scheint? s ja gut zu gehen." Wer so beneidet wird, sollte jedenfalls nicht in die ich-mach-mich-kleiner-Falle tappen. Und antworten:"Ach es war ein Schnäppchen und war ganz billig und eigentlich ein Unfallwagen" - und sich so auch noch entschuldigen. Mein Rat bei diesen Neid-Attacken ist: Nehmen Sie es nicht an, antworten sie souverän: "Freut mich, wenn es Ihnen gefällt, ich bin auch ganz angetan."

Auffällig: Äußerungen dieser Art gestatten sich so vorlaute Kollegen eher vor Publikum. Vorgesetzte sind dagegen nur selten sie Opfer. Vielleicht ist es sogar ein Austesten, wer der Stärkere ist. Positionieren Sie sich in dem Fall deutlich: "Ich möchte nicht so angesprochen werden." oder "Das geht mir zu weit." Und wechseln das Thema oder notfalls gleich den Tisch. Oder Sie geben den Arglosen: "Das freut mich sehr, dass Ihnen meine Uhr gefällt. Wo kaufen Sie denn so etwas ein?"

Was die Menschen in vielen Kulturen - neidlos - als Ergebnis harter Arbeit betrachten, lässt in unserer Kultur allzu häufig Neidgedanken aufkommen. Die Folge in den Unternehmen ist, dass sich die Kollegen gegenseitig das Leben schwerer machen als nötig.

Dass es auch anders geht, beweisen zum Beispiel Asiaten. Sie zeigen Luxus wie große Auto, große Labels oder wertvolle Jade-Sammlungen und bekommen dafür Anerkennung und Bewunderung. Jedenfalls wenn sich der Betreffende dies selbst erarbeitet hat. Jeder Geschäftsmann in Asien sollte sich daher ein großes Auto zum Vorfahren mieten und so ein gutes Renommee für sein Unternehmen erzeugen.

Das muss man in den USA zwar nicht tun, aber auch die Amerikaner haben ein entspannteres Verhältnis zu den Symbolen des Erfolgs anderer. Ein amerikanischer Freund stellte diesen Vergleich zu uns Deutschen an: "Ihr glaubt immer, Erfolg sein ein Kuchen mit abgezählten Stücken. Wir Amerikaner sehen Erfolg wie ein Kuchenbüfett, auf das immer nachgelegt wird und wir wollen von den Erfolgreichen lernen, wie wir ebenfalls von diesem Buffet essen können."

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