Business Behaviour
Das Recht der ersten Rede

Fünf Minuten sind das Maximum für eine Festrede. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Die Dame aus der Buchhaltung hatte es nur gut gemeint. Sie war so gerührt, als sich der Deutschland-Chef einer französischen Firma mit einem gesetzten Abendessen in einem vornehmen Hotel von seiner Belegschaft verabschiedete, um zu einem anderen Unternehmen zu wechseln. Er hatte sich gerade für die schöne gemeinsame Zeit bedankt, und plötzlich ergriff die Dame - für alle Anwesenden völlig überraschend - das Wort und bedankte sich wiederum wortreich bei ihm.

Alle rundherum schwiegen betroffen, der Chef nahm es mit Humor und ging zur Tagesordnung über. Doch es war ein Fauxpas sonders Gleichen: Reden werden nur auf der selben Hierarchiestufe beantwortet. Wenn es nur einen Chef geben sollte, darf höchstens sein Vertreter das Wort ergreifen.

Das ist auch der Grund, warum man sich für eine Rede immer anmelden muss beim Gastgeber. Weil es immer auf die Rangfolge ankommt. Anders als bei Familienfeiern, da darf auch Tante Käthe aus Worpswede etwas beisteuern - wann immer sie mag.

Wer bei einem festlichen Anlass etwas sagen möchte, sollte es dem Gastgeber mehrere Tage vorher sagen. Die Rede darf maximal fünf Minuten dauern, nicht länger. Einzige Ausnahme: Jubiläen, bei denen ein Rückblick geschieht. Wer international unterwegs ist sollte wissen, dass in anderen Kulturen die Rednerfolge eventuell umgekehrt gehandhabt wird. In USA etwa hat der wichtigste Gast das Schlusswort.

Am besten bekommt auch die Küche einen Rednerplan. Zum einen, damit während der Reden kein Service erfolgt und zum anderen, damit der Koch keine Nervenzusammenbrüche bekommt. Das habe ich mal in meiner Zeit in Singapur als Ehefrau des Botschafters erlebt, als eine angekündigte Zehn-Minuten-Rede eines Ministerpräsidenten 45 Minuten dauerte. Der Koch verlor fast die Nerven und bangte um seine Reputation. Die Krönung: Nach der Rede bat der Politiker um schnellen Service, da er noch nachts nach Deutschland zurückfliegen musste.

Klar ist immer: Zu offiziellen Veranstaltungen gehört - unabdingbar - eine Begrüßungsrede, um erst einmal alle Gäste willkommen zu heißen, den Anlass noch einmal zu erwähnen und vielleicht etwas zum Ablauf des Abends zu sagen.

Der richtige Zeitpunkt für Reden ist nach der Vorspeise und vor dem Dessert. Mit dem Dessertlöffel auf das Glas zu schlagen, ist heute nicht mehr angesagt. Es genügt, aufzustehen und einige Sekunden zu warten, bis alle Anwesenden ruhig werden.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

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