Business Behaviour
„Das tut man doch wohl nicht“

Benimmregeln sind nichts Statisches, die es zwanghaft zu befolgen gilt. Unangenehm wird's auch, wenn man öffentlich auf sein schlechtes Benehmen aufmerksam gemacht wird. Doch Vorsicht: Wer andere Leute vor Fremden maßregelt, wird schneller als er denkt selbst zum Flegel.

Da hatte eines der ganz großen Beratungshäuser eingeladen. Zu ihrem jährlichen Essen im festlichen Rahmen. Fast nur Männer waren dabei. Eine der wenigen anwesenden Damen reagierte spontan, als sie einen anderen Gast begrüßen wollte, und gab ihm die Hand. Quer über den Tisch. Weil's in dem Moment gerade nicht anders ging. Doch das sollte sie büßen: Denn prompt rüffelte sie einer der Herren öffentlich: "Das tut man aber nicht, über den Tisch die Hand geben!"

Rumms. Der Dame war die Laune für die nächste halbe Stunde verhagelt. Auch die anderen Gäste wussten bei so einer unverblümten Attacke nicht, wo sie hinschauen sollten. Der selbst ernannte Benimm-Experte hatte sich nämlich in Wirklichkeit gerade ebenso öffentlich als Flegel geoutet: Erstens darf man andere - und erst recht keinen Fremden - so einfach maßregeln. Zweitens darf man das schon gar nicht öffentlich tun, also vor Dritten und dann noch in so einem feierlichen Rahmen. Denn ein Gast hat in erster Linie die Pflicht, zum guten Gelingen des Abends beizutragen, und nicht, andere Gäste in eine peinliche Situation zu bringen. Geschweige denn, ihnen die Stimmung zu verderben. Und drittens war sein Rüffel der viel schlimmere Patzer als die Lässlichkeit der Dame. Und viertens hätte er die Dame schon allein deshalb nicht schurigeln dürfen, weil sie eine Dame ist.

Zumal: Derjenige Herr, der die Hand über den Tisch gereicht bekam, war es am Ende des Tages, der sich falsch benommen hatte. Es wäre nämlich an ihm als Herr gewesen, vom Tisch aufzustehen, auf die Dame zuzugehen, um sie zu begrüßen. Genau genommen hätte - wenn schon - er gerüffelt werden müssen. Für sein Sitzen-Bleiben. Der Dame jedenfalls blieb dieser Chauvi-Abend nicht in guter Erinnerung - und der Rüffler auch nicht.

Benimmregeln sind nichts Statisches, die es zwanghaft zu befolgen gilt. Das Geheimnis besteht darin, souverän mit Etikette-Regeln umzugehen und andere nicht zu verletzen oder in Verlegenheit zu bringen. Wer die Etikette unnötig betont, sie doof findet und durch den Kakao zieht oder - im Gegenteil - auf ihr herumreitet, setzt sich nur selbst der Lächerlichkeit aus. Zum Beispiel der Abteilungsleiter, der seine Besucher an den Ausgang brachte mit der lautstarken, selbstgefälligen Bemerkung: "Ich bringe sie heraus, ich weiß doch, was sich gehört!" Und ganz nebenbei bemerkt: Der Small Talk wird so in die Sackgasse gefahren. Denn was soll der andere darauf schon noch antworten?

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