Business Behaviour
Den Chef ausschimpfen lassen

Chef ist Chef, und für den gelten Sonderregeln. Auch bei den Nonos. Er darf zum Beispiel seine Laune nie heraushängen lassen. Das sollte zwar auch kein anderer, aber der Chef sollte es dreimal nicht. So viel Disziplin muss sein, oder er ist keine Führungskraft.

Von cholerischen oder gar beleidigenden Auftritten mal ganz zu schweigen. Zu denen kommt es im Alltagstrubel nämlich oft schneller als gewollt und von dem Ausfälligen selbst oft gar unbemerkt. Rasch ist vergessen, dass man vielleicht einen Akademiker vor sich hat und kein unmündiges Kind. Oft geschieht so etwas in E-Mails, die zu flott geschrieben werden und beim Leser auslösen, was nicht beabsichtigt war: Beleidigung, Demotivation und dergleichen.

Zum Beispiel die Abteilungsleiterin einer Versicherung, die immer sofort den einzelnen Mitarbeiter beschuldigte - ohne je zuvor gefragt zu haben, ob sie überhaupt den wirklich Schuldigen erwischt hatte. Gnadenlos direkt und vor allem gleich unter Androhung von Sanktionen.

Die armen Mitarbeiter gewöhnten sich am Ende an, vor der Rückkehr aus dem Urlaub schon sonntags ins Büro zu gehen und in ihren Poststapeln die schriftlichen Tretminen der Chefin zu suchen - um wenigstens noch Zeit zu haben, die Attacken zu entkräften.

Entschuldigungen - was unter allen Umständen passieren muss in solch einer Situation - hielt die Vorgesetzte nie für nötig. Dafür war sie schließlich die Chefin, meinte sie.

Großer Irrtum: Souveräne Führungskräfte müssen auch das Wort Entschuldigung unbedingt über die Lippen bringen können. Ebenso wie sie Lob verteilen können müssen. Mitarbeiter haben bei verbalen Attacken nur eine Möglichkeit zu reagieren: Ganz ruhig bleiben, sehr sachlich und warten, bis sich die Führungskraft ausgeschimpft hat. Dann erst die Sache klarstellen oder verteidigen.

Erscheint die Lage gar zu aussichtslos, ist es im Ausnahmefall - quasi als Notfallmaßnahme - auch erlaubt, den Raum zu verlassen nach der Erklärung "Ich fühle mich ungerecht beurteilt und möchte das Gespräch später fortsetzen."

Ebenso ungehörig ist es, wenn Führungkräfte vor den Mitarbeitern über Kollegen sprechen - und das womöglich noch schlecht. Mehr lässt sich das Betriebsklima kaum vergiften. Ganz abgesehen davon, dass die Methode schnell am Ende ist: Nämlich dann, wenn jeder misstrauisch wird und sich schon selbst als nächsten Geächteten sieht.

Chefs müssen über den Dingen stehen und dürfen nicht ohne weiteres Mitarbeiter über Kollegen aushorchen. Wer Anstand hat, schweigt nämlich, nur Opportunisten betreten diese Bühne.

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