Business Behaviour
Der Chef muss ans Krankenbett

Kranke Kollegen oder Mitarbeiter verdienen vor allem dies: Wertschätzung, Empathie und Anteilnahme. Egal wie überlastet Sie mit Arbeit sind. Ein Freund von mir, ein Priester, musste wegen einer verschleppten asiatischen Grippe monatelang im Krankenhaus und dann zu Hause liegen. Sein Chef kam nicht ein einziges Mal bei ihm vorbei. Das saß. Sicher kein Einzelfall, aber in diesem Beruf besonders tragisch.

Ganz anders habe ich es in Hongkong miterlebt, wo meine Freundin nicht nur von allen Kollegen besucht wurde. Kaum war sie zu Hause, wurde ihr täglich Essen gebracht - nach einem detaillierten Plan der Kollegen. Oder in den USA, wo den Arbeitnehmern nur wenige Krankheitstage zustehen. Dort geben die Kollegen, die Krankheitstage angesammelt haben, den Erkrankten von ihrem Guthaben ab - wohl wissend, dass die anderen es ebenso tun würden. Ob das typisch ist für Länder, in denen das Sozialsystem weniger ausgeprägt und die Eigenverantwortung umso größer ist?

Hin wie her, ist jemand krank, sind der Chef - er an erster Stelle - und die Kollegen am Zuge. Zuerst die telefonische Nachfrage, wie schwer die Erkrankung ist, und entsprechende Gute-Besserung-Wünsche. Inquisitorisches Nachhaken ist dabei streng verboten. Es gibt genug Erkrankungen, die Betroffene lieber nicht namhaft machen. Trotzdem ist es wichtig, die Aufwartung zu machen. Doch Besuche müssen unbedingt angekündigt werden. Selbst oder gerade wenn man krank ist, möchte man wenigstens halbwegs herzeigbar sein.

Fürs Erste ist es wichtig, dem Kranken Blumen zu schicken. Am besten mit einer Karte mit den Unterschriften aller Kollegen. Stillos ist es dagegen, eine Karte vom Blumenhändler anhängen zu lassen - mit Genesungswünschen "i.A.". Chefs haben jetzt besondere Pflichten. Die Erwartung an sie ist ein höhere - zu Recht. Führungskräfte, die diese Pflicht auf die leichte Schulter nehmen, büßen es später.

Ist jemand über Wochen krank, ist es unbedingt notwendig, einen Krankenbesuch abzustatten. Auch als Chef. Selbst wenn er nur zehn Minuten bleiben kann. Er sollte es dann wenigstens nicht vorher sagen - das wirkt herabwürdigend - und in diesen Minuten nur für den Kranken da sein. Anders herum ist es übrigens nicht so: Krankenbesuche von Mitarbeitern am Chef-Krankenbett stehen nur engen Vertrauten und dessen Stellvertreter zu. Alle anderen sollten lieber Blumengrüße schicken. Abgesehen von ansteckenden Krankheiten gibt es eine Ausnahme, bei der der Chef nicht persönlich vorbeikommen muss: nach einer Entbindung - Kinderkriegen ist ja schließlich keine Krankheit.

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