Business Behaviour
Der eigene Job am schwarzen Brett

Sobald etwas beschlossene Sache ist, muss die Nachricht raus - wenigstens betriebsintern. Jede Minute kann jetzt entscheidend sein. Wie schief es gehen kann, erlebten die Mitarbeiter eines namhaften Markenartiklers.

Personalien verbreiten sich wie Lauffeuer. Kündigt eine Firma jemandem, muss der Abteilungsleiter es gleich allen Kollegen derselben Abteilung sagen. Klappt es nicht, weil manche Kollegen unterwegs oder krank sind, muss er zusätzlich mailen.

Sicher braucht das Unternehmen nicht im Detail darzulegen, was dahinter steckt. Aber ein griffiges Argument ist unverzichtbar - als offizielle Sprachregelung. Und ist der direkte Vorgesetzte gerade nicht da, muss der nächst höhere Manager einspringen und die Truppe informieren. Sonst kann es Imageschäden für die Firma geben. Denn: Kneift der Vorgesetzte und schweigt, erfahren es manche Kollegen erst einmal nicht. Sie geben daher unverdrossen Namen und Telefonnummer des Geschassten weiter an Kunden oder Geschäftspartner, die diesen zu erreichen versuchen. Wen die dann ans Telefon bekommen und was ihnen gesagt wird, kann wirklich peinlich werden. Unabsichtlich. Oder: Ein Kollege bittet den Gekündigten um Zusammenarbeit - und derjenige kommt in die missliche Lage, erklären zu müssen, dass er nicht mehr darf.

Ebenso schädlich ist es, wenn schon der Betriebsrat und die Gerüchteküche genau wissen, wer als Nächstes gekündigt wird - nur der Chef warnt den Betroffenen nicht selbst. So einen würdelosen Umgang hat keiner verdient - und steht auch keinem Chef gut zu Gesicht.

Wie schief es gehen kann, erlebten die Mitarbeiter eines namhaften Markenartiklers: Ein Abteilungsleiter kam aus dem Urlaub zurück und fand in der Teeküche am schwarzen Brett eine Stellenausschreibung - und zwar für seinen eigenen Job. Die Folgen: Nicht nur, dass ein Mensch gekränkt wird, der seinem Arbeitgeber jahrelang brav gedient hat, sondern auch alle Kollegen bekamen es mit. Und ziehen Schlüsse für die eigene Zukunft. Binnen Tagen sprach sich diese Konfrontation in der ganzen Branche herum, die Firma gilt als Hire-and-fire-Laden. Zu dem man als Arbeitnehmer nur mit wasserdichtem Vertrag und gehörigem Schmerzensgeldzuschlag gehen sollte.

Oder: Wie steht die Bankerin da, der ein Kunde erzählt, welch schlechte Presse ihr Haus gerade hat. Wegen eines Fonds, den auch sie ihm verkaufte und bei dem die Bank eine unrühmliche Rolle spielt? Die Top-Manager werden informiert von der Pressestelle. Aber was ist mit den Bankern am Schalter, der Schnittstelle zum Kunden? Das kann keine teure Image-Werbekampagne wieder gut machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%