Business Behaviour
Der Gastgeber darf nicht die Schweiz geben

Gerade auf eigenen Veranstaltungen gilt: Zurücklehnen ist tabu! Der Gastgeber ist nicht nur da, um die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, es ist auch seine Pflicht, das Raumklima angenehm zu halten. Dies bringt einige Aufgaben mit sich.

Zu Gast sein auf der eigenen Veranstaltung: Sich im Zweiergespräch verlieren in der Atmosphäre, den Getränken und dem Essen, nach eigenem Gusto, aber ohne die anstrengenden Gastgeberpflichten, das wäre zweifellos wunderbar. Doch so einfach ist es nicht: Wer sich so verhält, hat seine Rolle nicht verstanden. Und das kommt leider immer wieder vor. Besonders unangenehm wird das nämlich für Gäste, die entweder plötzlich ganz einsam sind, weil sie niemanden außer den Gastgeber kennen. Oder für Gäste, die von anderen Gästen irgendwie angegangen werden.

Zum Beispiel, wenn ein Raucher sich gerade als Krönung der Gemütlichkeit eine Zigarette anstecken will und die Dame neben ihm gradezu hysterisch wird. So geschehen bei der Verleihung des Journalistenpreises "Der Goldene Prometheus" in Berlin. Dem einladenden Unternehmer wurde heiß und kalt, er wollte keinen seiner beiden Kunden verlieren. Glücklicherweise lenkte der Raucher bald ein und verschwand nach draußen. Doch ansonsten wäre es am Gastgeber gewesen einzugreifen und zu vermitteln. Er darf nicht die neutrale Schweiz spielen und sich raushalten. Er muss sagen: "Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie aufs Rauchen verzichten könnten." Nur pädagogische Belehrungen oder Wertungen sind tabu.

Manchmal landen auch zwei Streithähne oder zwei Alpha-Männchen am selben Tisch, von denen jeder der Größte, Schönste und Beste sein will. Entweder hat die Sitzordnung dies bestimmt, oder der Einladende kannte die Gäste nicht persönlich. Manchmal reicht etwas zu viel Alkohol, und aus Nichtigkeiten werden Probleme. Ein sensibler Gastgeber verhält sich wie ein Conférencier und unterbricht dann sofort die Kontrahenten. Etwa indem er sein Glas mit einem Trinkspruch erhebt und dann eine neutrale Frage an einen der zwei richtet. Oder sie mit einem Themawechsel unterbricht: "Wir sprachen gerade über die Wahlen. Herr Meier, Sie sind doch Bremer, haben Sie mit dem Ergebnis gerechnet?" Deeskalation ist die Devise. Oft genügt die Stimme des Gastgebers, Augenkontakt und eine höfliche, deutliche Themenwende - und der Aggressor kann trotzdem sein Gesicht wahren.

Dieselbe Pflicht zum Eingreifen obliegt dem Gastgeber, wenn zwei nebeneinander sitzen, die sich nichts zu sagen haben. Oder die Feinde sind und sich stoisch anschweigen - obgleich auch sie verpflichtet sind, aktiv zum Gelingen des Festes beizutragen.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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