Business Behaviour
Der gute Ruf geht vor

Das Fest endete für den Vermögensverwalter sehr viel schneller als erwartet. Unter den Gästen hatte er einen Unternehmer ausgemacht, dessen Ruf lädiert war. Er entschuldigte sich bei dem verblüfften Gastgeber und kündigte an, dass er lieber sofort gehen wolle. Aus Sorge um seinen eigenen guten Ruf.

Der Vermögensverwalter wollte keinesfalls mit diesem Unternehmer in Verbindung gebracht werden. Auch nicht anschließend in der Presse oder in einer Foto-Galerie auf einer Homepage des Gastgebers. Und so etwa das Bild vermitteln, gemeinsam aufzutreten, gemeinsam zu feiern und sich überhaupt einig zu sein. Die Situation ist für den Gastgeber wie den Gast gleichermaßen unangenehm: Es gibt Animositäten, die auch ein noch so umsichtiger Gastgeber nicht kennen kann. Oder es wird ein Überraschungsgast mit eingeladen, von dem der Einladende nichts ahnt, geschweige denn, dass jener ihm willkommen ist.

Zwei Dinge muss ein so düpierter Gast jedenfalls vermeiden: Weder darf er sich davonstehlen - er muss sich wenigstens dem Gastgeber erklären -, noch darf er sich laut und vernehmbar äußern. Die Sorge um den eigenen Ruf als Grund, das Weite zu suchen, mag angehen. Aber es genügt nicht als Grund, wenn ein Gast lediglich den anderen nicht leiden kann oder gar schon mal Differenzen mit demjenigen hatte. Allein aus Respekt dem Gastgeber gegenüber muss für den einen Abend die Antipathie verborgen und das Kriegsbeil begraben werden.

Diskretion ist das oberste Gebot. Fast immer sind die Räume auch groß genug, sich aus dem Weg zu gehen. Zur Not lässt sich, insbesondere bei aufdringlichen Gästen, auch durchaus Distanz schaffen. Durch Signale und notfalls klare Worte. So erlebte ich bei einem Botschaftsempfang in Washington, wie ein Journalist einem ziemlich aufdringlichen Chef einer PR-Agentur - der unter Insidern schon einen zweifelhaften Ruf hatte und nun Vertraulichkeit suggerieren wollte - professionell abblitzen ließ. Ohne große Worte, ohne die Stimme zu erheben, und ohne Arroganz: Die hingehaltene Visitenkarte des Agenturchefs nahm er einfach nicht an und sagte gelassen, aber deutlich: "Ich möchte Ihnen meine Visitenkarte nicht geben." Und wendete sich im nächsten Augenblick ab.

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