Business Behaviour
Der Kampf um die Armlehne

Im Flugzeug sind sich alle so nah, dass besondere Rücksicht nötig ist Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Fliegen ist ein Abenteuer, sogar heute noch. Nass und heiß kann es werden. So erging es jedenfalls meinem Sitznachbarn auf dem Flug von Washington nach Frankfurt. Eine volle Tasse heißen Tees landete auf seinem Schoß, kurz nach dem Start. Sein Vordermann hatte seine Rückenlehne nämlich abrupt nach hinten gekippt - ohne darauf zu achten, was er anrichtet. Hätte er nicht vorwarnen oder fragen können?

Schon Loriot führte eindrucksvoll vor, dass die Enge im Flieger eben besondere Sensibilität erfordert. Er spritzte damals Evelyn Hamann den Tomatensaft ins Gesicht.

Ein anderes Beispiel: Ich hatte einen neuen Kaschmirmantel im Fach über den Köpfen deponiert. Als ich ihn nach der Landung herauszog, erkannte ich ihn fast nicht wieder, so hatte er gelitten. Die anderen Fluggäste hatten nämlich Aktenkoffer für Aktenkoffer einfach darüber gelegt und ihn in die letzte Ecke gequetscht - anstatt ihre Koffer unter meinen Mantel zu schieben.

Für ungewollte Nähe und entsprechende Verunsicherung sorgt auch die gemeinsame Armlehne. Kennen Sie das? Am liebsten würden Sie mit dem Wildfremden so dicht neben Ihnen einen Deal wie in Doris Days legendärem Film "Bettgeflüster" mit der gemeinsamen Telefonleitung zum Nachbarn schließen. Etwa "die erste halbe Stunde darf ich meinen Arm abstützen, die zweite halbe Stunde Sie." Klingt lächerlich, wäre aber gar nicht so dumm. Vor allem bei denen, die wie Platzhirsche auftreten und die Lehne selbstverständlich besetzen. Bemerkenswert, dass man sich mit anderen stillschweigend arrangiert, reibungslos. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Unhöflich sind auch diese Belästigungen: Etwa durch Musikliebhaber, die ihre Kopfhörer auf volle Lautstärke drehen und nicht realisieren, dass alle anderen mithören müssen. Auch Zeitungleser, die viel Platz brauchen, sollten einen Platz am Gang wählen. Wundern muss ich mich immer wieder über die Drängler beim Aussteigen: Auch wenn alle am Gepäckband doch wieder gemeinsam auf ihre Koffer warten müssen, lassen sie niemanden aus den Sitzreihen auf den Gang, sondern gehen erst mal selbst durch. Die Regel ist: Reihe für Reihe steht nacheinander auf und geht. Keinesfalls dürfen die aus den hinteren Reihen vorstürmen.

So richtig heiter wird es leider dann oft am Taxistand: Jeder will schnell ins Büro oder zu seinem Termin, die Höflichkeitsregeln geraten in Vergessenheit, und so mancher schummelt sich vor. Selbst vor Damen. Da lobe ich mir den Sitznachbarn, einen Manager aus dem Handel, der mich beim Landeanflug auf Düsseldorf fragte, ob er mich in die Stadt in seinem Auto mitnehmen solle. Einfach so, aus Nettigkeit.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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