Business Behaviour
Der Kunde badet den Chef aus

Mitarbeiter verdienen Anstand – nicht mehr und nicht weniger Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Es mag etwas unmodern klingen, ist aber unabdingbar: Ein Chef muss für seine Mitarbeiter da sein, besonders für ihre Nöte. Das ist eine Frage des Benimms und keineswegs nur der Mitarbeitermotivation. Wer sich auch um diejenigen mal kümmert, die Hilfe brauchen, punktet - und auf den Rest der Belegschaft wirkt so ein Signal enorm. Es ist Anstand, wenn ein Chef seinen Mitarbeitern gegenüber persönliches Interesse zeigt: Nicht umsonst gehört es in Asien selbstverständlich dazu, sich für die Familie der Mitarbeiter zu interessieren und auch seine Kinder vorzuzeigen. So viel Zeit, so viel Führungspersönlichkeit muss sein.

Wer aus langer Krankheit zurückkommt in die Firma, den muss auch der höchste Chef persönlich am ersten Tag begrüßen. Dasselbe gilt für Hochzeiter nach den Flitterwochen und für Mütter nach der Entbindung. Auch für besonderen Einsatz gehört es sich, persönlich Dank auszusprechen. Wer dies lässt, dem wird es auch angekreidet - das ist Gesprächsstoff auf dem Gang, der für böses Klima sorgt, aber eigentlich leicht zu verhindern ist. Wann waren Sie als Chef zuletzt in einem anderen Stockwerk ihres Unternehmens? In der Etage, in der nicht ganz so wichtige Menschen sitzen?

Das Lassen ist im eigenen Betrieb ohnehin die gefährlichste Klippe für Führungskräfte. Gerade die Mitarbeiter haben ein ausgeprägtes Gefühl dafür, was sie an Zuwendung erwarten dürfen.

Gibt der Chef spontan ein Glas Sekt aus, etwa weil ein Großauftrag wider Erwarten mit viel Anstrengung pünktlich fertig wurde, sollte er der Einladungsliste auf dem E-Mail-Verteiler persönlich besondere Aufmerksamkeit schenken. Ein Mitarbeiter oder eine Abteilung, die bei so etwas Feierlichem, Besonderen übergangen wird, vergisst das über Jahre nicht. Vielen Chefs ist nicht bewusst: Auch Hannibal kam nicht alleine über die Alpen.

Wie rächt sich der Übergangene? Wahrscheinlich am nächsten Kunden. Oder indem er nur noch das Nötigste tut. Und das Ganze nicht wegen eines schweren Managementfehlers oder einer ausgebliebenen Gehaltserhöhung. Sondern nur, weil der Chef sich daneben benommen hat - ob gewollt oder ungewollt. So wird aus einer Nachlässigkeit ein verletzendes Übergehen.

Meine Tochter, die in einer US- Werbeagentur arbeitet, bekam kürzlich einen Präsentkorb von einer anderen Abteilung, weil sie dieser mehrmals geholfen hatte. Solche Etiketteregeln sind gut zu erfüllen. Nur denken sollte man dran, an die vermeintlich kleinen Dinge. Und am besten einen Geschenkefundus anlegen - für solche Fälle.

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