Business Behaviour
Die Fehler anderer sind am schönsten

Verona Feldbuschs Grammatikfehler in "Hier werden Sie geholfen" wurde zum Running Gag. Die Telefonauskunft Telegate machte damit Furore. Den Spruch wird die Feldbusch wohl nie mehr los. Doch sie ist die Ausnahme: Sprachliche Pannen - gewollt oder ungewollt - werden nur schwer verziehen.

So wie vor kurzem in Frankfurt, als mehrere hundert Rechtsanwälte das Publikum von Anne Will waren. Die TV-Moderatorin verkündete im feierlichen Rahmen den Advokaten in Smoking beziehungsweise langem Kleid, welche Kanzleien, Teams oder Unternehmens-Rechtsabteilungen dieses Jahr die Oscars ihrer Branche - die Juve-Awards - erhielten. Doch als die TV-Moderatorin zum wiederholten Mal Associates - die Bezeichnung für angestellte Anwälte - falsch aussprach, blieb es nicht mehr bei einzelnen Lachern. Ein deutliches Raunen ging durch den Saal. Von vornehmer Zurückhaltung, die sich Anwälte sonst auf die Fahne schreiben, keine Rede. Endlich jemand, der mit einem Anglizismus auch mal nicht so richtig klar kommt, dachten sie wohl. Und dazu noch so eine Ikone wie die TV-Moderatorin. "Wunderbar", haben sich etliche wohl gedacht - und waren insgeheim getröstet.

Getoppt wurde die Schadenfreude über den Lapsus der Profisprecherin dann auch noch vom Auftritt eines Geehrten, der sich bei seinen Dankesworten schelmisch gab und - statt Associates korrekt auszusprechen - witzelte: "Ich sag das böse Wort jetzt nicht." Schade auch. Es war sicher gut gemeint, doch die Benimmnote ist "mangelhaft". Hätte er?s doch getan. Dann hätte Anne Will gehört, wie das Wort ausgesprochen wird. So ganz nebenbei hätte sie ein Beispiel für die korrekte Aussprache gehabt, und das Thema wäre erledigt gewesen.

Viel charmanter machte es dagegen kürzlich Reinhold Beckmann: Als Dagmar Koller von ihrem Remix erzählte und es eher wie "Reeehmix" aussprach, bestätigte er nur kurz, ohne das Gespräch zu unterbrechen, ohne sie bloßzustellen: "Aah, ein Remix." In ruhigem Ton und nur für aufmerksame Zuschauer registrierbar. So wusste Dagmar Koller Bescheid, wie das Wort korrekt ausgesprochen wurde - und blamierte sich nicht weiter.

Ähnlich vorgeführt fühlt man sich nur von Menschen, die einen binnen Sekunden wieder zum Schüler werden lassen. Sie fragen Sitznachbarn mitten im Gespräch ab, nach irgendwelchen Fakten oder gar Schulwissen. Das ist unangemessen wie unhöflich, da man sich im gesellschaftlichen Rahmen auf Augenhöhe begegnet. Und sich bei der Veranstaltung wohl fühlen soll und nicht ins Kreuzverhör genommen sein will.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour am der FH Bonn-Rhein-Sieg.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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