Business Behaviour
Die Panik vor dem Flug oder Todesängste mit dem Chef

Als Mitarbeiter muss man dem Chef nicht bedingungslos ergeben sein: Wenn reale Ängste oder Gefahrensituationen drohen, ist ein "nein" durchaus angebracht. In anderen Situationen kann sogar eine kleine Notlüge angemessen sein.

Der Marketingleiter des Münchener Mittelständlers hatte schon fast Albträume, wenn er wieder mit seinem Chef zusammen Termine wahrnehmen sollte. Der Senior war Hobby-Pilot und hatte ein Privatflugzeug. Und in dem sollten seine Mitarbeiter - nicht zuletzt auch aus Gründen der Sparsamkeit - mitfliegen, wenn etwa ein Termin in Hannover oder Köln anstand. Doch der Marketingprofi und auch so mancher anderer seiner Kollegen standen jedes Mal Todesängste in der Luft aus, denn um die Gesundheit des Seniors steht es nicht zum Besten. Doch einfach sagen, dass man lieber sein Auto nähme, das ging so einfach nicht bei so einem Firmenpatriarchen.

Ähnliches erleiden Mitarbeiter, die in irgendwelche schnellen Sportwagen stolzer Chefs mit allzu schnittigem Fahrstil einsteigen sollen - auf dem Weg zum Kundentermin etwa. Sie kommen nass geschwitzt an, steigen mit zitternden Beinen aus dem Wagen neben einem gut gelaunten Vorgesetzten, der sich im Zweifelsfall noch witzige Bemerkungen über sie erlaubt.

Muss man sich darauf einlassen? Sind Hasardeur-Trips im Gehalt inbegriffen? Ein ganz klares "Nein" ist die Antwort. Höflichkeit ist nötig, Respekt vor dem Boss allemal - aber beides muss nie dazu führen, sich auf gefährliche Situationen einzulassen. Auch wenn es noch so ungünstig für die Karriere ist. Wer in Privatflugzeuge steigen soll trotz Flugangst, kann parieren: "Ich fliege grundsätzlich nicht mit kleinen Flugzeugen, sie machen mir Angst. Ich bitte um Verständnis." Um gleichzeitig klarzustellen: "Ich werde pünktlich losfahren und zeitig am Besprechungsort sein." Auch der Sportwagenfahrer muss so eine Absage akzeptieren: "In einem Porsche zu fahren ist sicher der Traum vieler Leute, danke für das Angebot. Aber ich vertrage keine hohen Geschwindigkeiten, mir wird übel, ich muss darauf verzichten." Dasselbe gilt für andere Zwickmühlen, in die die Mitarbeiter geraten. Etwa bei Einladungen ins Restaurant, wenn es dem Angestellten absolut nicht schmeckt. Dann sollte man nur ein Fünftel der Mahlzeit langsam essen und kommentarlos den Rest stehen zu lassen. Oft führt die eigene Peinlichkeit, das zu erklären, nur dazu, dass andere erst darauf aufmerksam werden. Sollte jemand fragen, kann man erklären, dass man mittags oder abends keinen großen Appetit hat. Die ehrliche Antwort führt womöglich dazu, dass der Gastgeber mit dem Kellner diskutiert - was der Stimmung abträglich ist. Ist der Chef zu allem Unglück selbst der Koch, muss zwei Drittel aufgegessen werden oder im Notfall eine Allergie herhalten - die ist ein Blankoscheck.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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