Business Behaviour
Die Vaterpflichten der Chefs

Mein Vater, ein mittelständischer Unternehmer mit einer Druckerei, nahm es mit seiner Fürsorgepflicht gegenüber seinen 130 Mitarbeitern genau. Es ging so weit, dass er bei dem ein oder anderen die Lohntüte nicht ihm selbst aushändigte - sondern dessen Ehefrau schon donnerstags zu sich zitierte und ihr den Großteils des Lohns übergab.

Damit sie fällige Raten und ihre Miete zahlen konnte. Freitags am Zahltag bekam der Betreffende dann nur noch den fehlenden Rest ausgehändigt. Aus gutem Grund: Denn andernfalls hätte der Kandidat noch am selben Abend sein Salär in der nächsten Kneipe gelassen und seine Familie in Not gebracht. Für diesen Führungsstil wurde mein Vater von seinen Leuten geliebt, und sie dankten es ihm mit echtem Einsatz.

So viel Einsatz, wie ihn sich mancher Manager von seiner Belegschaft heute wünschen würde. Nicht zuletzt würde auch er dann in besserem Licht da stehen. Heute wären es andere Dinge, mit denen Chefs den Betriebsangehörigen Stil beweisen könnten: Und zwar in dem sie ihnen ehrliches Interesse zeigen, sich in die Situation der anderen hineinversetzen und angemessen reagieren.

Zum Beispiel: Muss ein Mitarbeiter oder womöglich eine Mitarbeiterin mal abends lange arbeiten und - zumeist unbezahlte - Überstunden leisten, sollte es Ehrensache sein, dass das Unternehmen in den Überstunden einen Pizzaservice bezahlt und genauso selbstverständlich sollte es sein, dass der Mitarbeiter dann ein Taxi auf Kosten der Firma nach Hause nehmen kann. Schließlich dauert die nächtliche Heimfahrt nicht nur viel länger, weil Busse und Bahnen seltener fahren. Gerade für Frauen ist es eine Zumutung, nachts allein durch die dunklen Straßen - mit allen Risiken - gehen zu müssen. Das ist sonst nämlich der Moment, in dem der Mitarbeiter Zeit hat, nachzudenken, warum und wofür er das alles auf sich nimmt - und ob ihm die Firma das überhaupt dankt.

Aber ebenso ist es an dem Mitarbeiter, parat zu stehen, wenn die Firma ihn braucht und dafür auch einen Kegelabend absagt. Es ist einfach daneben, wenn jemand nach vier Wochen Urlaub am übernächsten Tag gleich einen Routine-Arzttermin mitten in der Arbeitszeit einplant. Wenn ein Elternteil plötzlich zum kranken Kind gerufen wird, ist es einfach Ehrensache, die Bitte des Mitarbeiters zu beantworten mit einer Dienstanweisung, nach Hause zu gehen. Damit sich die Leute nicht selbst krank melden müssen, um nicht als Eltern gebrandmarkt zu sein.

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