Business Behaviour
Dirigent 01 ist für die B9 dran

Wie unhöflich es ist, in Fachchinesisch zu sprechen Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

"Der Dirigent von 01 wäre nun für die B9 dran". Sie verstehen nur Bahnhof? Mir jedenfalls erging es mehrfach so. Immer wenn ich mal wieder bei einem offiziellen Dinner zwischen Ministerialbeamten saß, die als Tischgespräch die Personalpolitik ihres Ministeriums wählten. Leider war ihnen entgangen, dass auch Nicht-Beamte dabei waren, die ebenfalls in die Unterhaltung hätten einbezogen werden müssen. Wie oft habe ich Juristen zuhören müssen, die eine hitzige Debatte über der 823er-Anspruch mit einem Tischgespräch verwechselten. Unhöflichkeit pur, Sensibilität im Minusbereich. Gute Erziehung? Fehlanzeige.

Dagegen schätze ich den Hochwildjäger - es war ein Kieferchirurg - , der wenigstens versucht, seine Begeisterung mit mir zu teilen. Und ich einen ganzen Abend lang vom Leben und Leiden des Marco Polo Schafs lernen durfte.

Noch einsamer fühlt man sich nur noch, wenn Unternehmensberater allen - inklusive möglichen Auftraggebern - ihre Anglizismen um die Ohren hauen. Stillschweigend voraussetzend, dass niemand Besseres zu tun haben kann, als sich die vielen Management-Anglizismen anzueignen. Mein Rat: Fragen Sie nach. Genieren muss sich nur, wer andere in die peinliche Lage bringt, nachfragen zu müssen.

Auch Werber verfallen gerne in dieses Englisch-Kauderwelsch - am liebsten wenn sie sich gegenseitig Titel verleihen. Wie praktisch diese Titel für sie sein können, zeigt diese Anekdote: Ich erinnere mich an einen Vermieter, der stolz den anderen Mietern anpries, dass nun eine 32-Jährige einziehe, die so toll sei, dass sie schon in jungen Jahren Direktorin sei. Tatsächlich handelte es sich um eine Junior Art Directorin - und das wird man ganz rasch. Im Gegenteil, mit Anfang 30 ist man fast ein bisschen spät dran.

Nur, wie hakt man am besten im Job nach, ohne sich eine Blöße zu geben? Die schlichte Frage "Was bedeutet das konkret?" hat schon so manchen ins Stottern gebracht.

Asiaten übrigens fragen nur ungern nach, da es bedeuten könnte, der Vortragende habe nicht eindeutig genug erklärt - und erleidet so Gesichtsverlust. Statt nachzuhaken wenden sich lieber gleich anderen Geschäftspartnern zu.

Wer souverän ist, sollte also tunlichst vermeiden, im Fachjargon zu sprechen, schon um selbst nicht albern zu wirken. Wahre Fachkompetenz ist, Kompliziertes einfach erklären zu können. Nur dann hat der Betreffende es wirklich durchdrungen. Auswendig lernen kann jeder. Positiv fällt hierbei ausgerechnet ein Jurist, der Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhoff, auf - der die schwierigsten Zusammenhänge in einfachen Worten erklären kann. Der Bonner Künstler Lothar Knorn erkannte so schön: "Ist es nicht albern, dass manche Menschen sich beklagen, dass weniger Gebildete sie nicht verstehen? Wie sollte das auch möglich sein? Allerdings wirklich erstaunlich ist, dass gebildete Leute nicht mehr im Stande sind, sich mit weniger Gebildeten zu unterhalten....".

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