Business Behaviour
Ein „kurzes Kleid“ ist kein Mini

Die Einladung des Bundesministeriums war überdeutlich: "Dunkler Anzug, kurzes Kleid" lautete der Dresscode. Die Folge: So viele Miniröcke waren in den heiligen Hallen noch nie zu sehen. Etliche Damen trugen einen ultrakurzen Minirock, und manche von ihnen konnten es sich so gar nicht leisten.

Wie das passieren konnte? Die Gastgeber hatten es besonders gut machen wollen und nicht nur für die Herren einen Dresscode angesagt, sondern auch einen für die Damen. Was bis dahin unterblieben war und auch nicht sein muss. Nun passierte, was passieren musste: Ein Teil nahm diesen Hinweis allzu wörtlich und erschien ultrakurz.

Als Regel gilt: Der Gastgeber verfasst die Einladung so, dass die Gäste nicht Rätsel raten müssen. Gerade die Kleiderordnung verwirrt zuweilen, doch jeder möchte - und sollte - unbedingt korrekt gekleidet erscheinen. Die Angaben auf der Einladung müssen möglichst konkret sein. Begriffe wie Black Tie oder Abendanzug trüben bei vielen die Freude über die Einladung: Weil sofort die Frage auftaucht, was um Himmels willen bloß gemeint ist. Das beide Begriffe signalisieren, dass ein Smoking erwünscht ist, erschließt sich nicht sofort. Besser wäre es also, gleich Smoking als Dresscode zu schreiben. Dazu passend erscheinen die Damen im kleinen Schwarzen, also einem kurzen Abendkleid oder einem schlichten langen Kleid. Mit Vorgaben für die Damen ist es also schwieriger: Festlich - elegant, wie es heute oft heißt, lässt allzu viel Interpretationsspielraum.

Für viele Veranstaltungen ist es bereichernd, ein buntes Erscheinungsbild kann ein fröhliches Fest unterstreichen. Bei offiziellen Veranstaltungen geht das dagegen nicht. Lädt zum Beispiel der Bundespräsident zum Neujahrsempfang ein, so lautet der Dresscode: Cut - hochoffizieller Tagesanzug -, dazu trägt die Dame ein elegantes Kostüm. Alles andere ist respektlos. Wer keinen Cut tragen möchte, kann absagen.

Ich habe schon mal einen Bundesminister erlebt, der diese Spielregel ignorierte. Er verbot seinen eigenen Staatssekretären, im Cut zum feierlichen Empfang zu gehen - obwohl es in der Einladung so gewünscht war - und schrieb ihnen vor, im Tagesanzug zu kommen.

Das war am Ende besonders unangenehm für die Staatssekretäre. Nicht nur, dass sie sich einen Schnitzer leisteten mit ihrer unpassenden Kleidung, sondern sie hatten den nicht einmal selbst zu vertreten, weil er auf das Konto ihres Chefs ging. Was sie wiederum nicht öffentlich zugeben durften.

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