Business Behaviour
Ein Lob kann auch beleidigen

Ein Lob kann unangebracht und distanzlos sein. Öffentlich darf nämlich nicht jeder jeden loben. Was sollte man also beachten, wenn man einer geschätzen Person seine Anerkennung entgegenbringen möchte?

So vergriff sich erst kürzlich der Sprecher einer internationalen Konferenz schrecklich im Ton, als er einen asiatischen Staatsmann in launigem Ton als Redner ankündigte mit den Worten: "Da Sie beim letzten Mal ganz gut waren, haben wir Sie noch einmal eingeladen."

Dies war verletzend und herabwürdigend, denn die Bewertung "ganz gut" ist in offiziellem Rahmen immer unangemessen. Und das insbesondere, wenn es sich um einen der prominentesten Redner der Konferenz handelt.

Und noch einen Verstoß beging der Sprecher: Er darf nicht mehr tun, als seine Freude zum Ausdruck zu bringen, und sich nicht in seiner Funktion derart erhöhen, dass er einen Regierungschef lobt - und sich damit ein öffentliches Urteil über ihn erlaubt.

Zum anderen beging der Sprecher den Fauxpas, die Formulierung "ganz gut" nicht nur gegenüber einem geschätzten Senior, sondern auch gegenüber einem Asiaten zu wählen. Asiaten legen dreimal so viel Wert auf Konvention und Achtung vor Seniorität wie Europäer. Zu Eklats neigen Asiaten nicht. Aber die Folge wird der Veranstalter beim nächsten Mal spüren, wenn er versucht, ihn wieder einzuladen: Der Asiate wird garantiert nicht zusagen - vermutlich wird der Veranstalter nie begreifen, warum.

Im Business sollten Späße und ironische Bemerkungen immer nur über die eigene Person geschehen. Alles andere ist zu heikel und kann schlimmstenfalls politische Verwicklungen auslösen. Im Geschäftsleben wird sich ein potenzieller Kunde zurückziehen, ohne dass der Grund erkennbar würde. Selbst bei einer großen US-Kanzlei, die eigentlich einen deutschen Fusionspartner gesucht hatte, habe ich so etwas bereits erlebt.

Manchmal kann sogar ein Lob, das öffentlich und an sich korrekt einem Geschäftspartner gezollt wird, im Umkehrschluss einen anderen Geschäftspartner desavouieren. So lobte der Sprecher einer Airline in der Presse im Voraus eine Kooperation, die er mit einem Markenartikler startete. Er betonte - sicher in wohlmeinender Absicht - die künftige Kooperation zweier Premiummarken. Doch er übersah, dass sich auch der Vorgänger des neuen Partners zu den Premiummarken rechnet - und er ihn öffentlich beleidigte nach dem Motto: Der war?s schon mal nicht wert.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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