Business Behaviour
Ein Teller Kekse für 20 Leute

Der Chef muss als Erster dem Gast den Kaffee anbieten. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Wer muss den Gästen im Konferenzraum eines Unternehmens Getränke anbieten und sie bedienen? Diese Frage stellte erst kürzlich der Personalchef eines Maschinenbauunternehmens. Er habe öfter zusammen mit der Geschäftsleitung Bewerber oder Berater zu Besuch in der Firma. Auf dem Konferenztische stehen dann auch immer Kaffeekannen und kalte Getränke. Doch keiner tut den ersten Schritt und schenkt aus oder greift selbst zu. Seine Frage: Wer sollte die Initiative ergreifen, der oberste Chef, der Rangniedrigste, was sind die Kriterien? Die Antwort ist: Der Ranghöchste bedient die Gäste in seiner Nähe, zumindest macht er den Anfang, denn er ist der Gastgeber. Dann fordert er die Gäste auf, dass sie sich selbst bedienen können. Der richtige Zeitpunkt ist der, an dem sich alle an den Tisch setzen, nach dem Small Talk und bevor es ans Business geht. Versäumt der oberste Chef diesen ersten Schritt, sollte der Nächsthöhere nicht lange zögern und einspringen. Unhöflich wäre es, die Gäste auf dem Trockenen sitzen und sie die Flaschen anschauen zu lassen. Eigentlich sollten sich alle Mitarbeiter in der Verantwortung des Gastgebers empfinden und die Gäste versorgen und zum Beispiel nachschenken. Wer bemerkt, dass sein Sitznachbar als Gast nicht selbst nachnimmt, sollte zum Anbieten übergehen.

Versäumt dies nicht nur der Chef, sondern auch seine Mitarbeiter, so dürfen Gäste sich selbst helfen. Damit dies elegant möglich ist, sollten Kaffee- und Teekannen leicht erreichbar sein. Und wer perfekt sein will, stellt das Wasser in Karaffen hin.

Ich habe eine Freundin, der man bei einem Firmenbesuch die ganze Zeit über nichts anbot, die Flaschen blieben verschlossen mitten auf dem Tisch. Sie hätte es unangemessen gefunden zu fragen - die Gastgeber dagegen hatten einfach nicht daran gedacht, ihr etwas anzubieten.

So etwas passiert, und gar nicht mal so selten. Auch drollig ist diese Variante: In einem Fünf-Sterne-Hotel erlebte ich kürzlich, wie um einen Tisch herum 20 Leute saßen und ganz in der Mitte stand ein einzelner Teller mit Keksen - an den höchstens vier Leute heranreichten. Dasselbe beobachte ich auch öfter mit Kaffeekannen.

Aufmerksame Führungskräfte achten darauf, dass Gäste ihres Hauses - wie bei den Berliner Politikern - direkt vor ihrem Sitzplatz kleine Fläschchen Wasser und Saft und die leere Tasse für Kaffee oder Tee stehen haben.

Apropos: Viel zu oft kommen die Teetrinker zu kurz. Ein rheinischer Konzernvorstand hätte fast ein Kooperationsgespräch mit einem anderen Unternehmen platzen lassen. So sehr fühlte er sich diskriminiert als Teetrinker, dem nur Kaffee angeboten wurde.

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