Business Behaviour
Ein Witz – und der Professor muss zur Strafe nach Hause

Sie haben Geschäftskontakt zu Amerikanern? Dann vergessen Sie vorsichtshalber erst mal alles, was in Ihrem Kopf über Amerikaner herumgeistert - dass sie so locker sind zum Beispiel. Reißen Sie lieber nie vor Amerikanern einen zweideutigen Witz, zu schnell könnte ihnen ein Strick daraus gedreht werden.

Machen Sie nie irgendeinen flotten Spruch mit einer sexistischen Anspielung. Dabei spreche ich jetzt nicht von Antidiskriminierungsvorschriften. Jene, weshalb US-Manager Aufzüge gar nicht erst betreten, wenn nur eine einzelne Dame darin ist. Weil ihnen zu schnell ein Strick daraus gedreht werden könnte, wenn diese Dame aus heiterem Himmel behauptet, er habe sich ihr gegenüber einen sexuellen Übergriff geleistet. Seine Karriere könnte mit einem Streich dahin sein.

So erlebte ich bei der Eröffnung einer Baselitz-Ausstellung im Hirschhornmuseum in Washington bei einem offiziellen Essen, wie ein Amerikaner zwei Herren aus der Entourage von Georg Baselitz fragte, was es mit dem deutschen Karneval auf sich habe. Ob er so ähnlich sei wie Halloween. Unverblümt antwortete einer der beiden Deutschen, was mir den Atem stocken ließ: "Karneval laufen alle halbnackt durch die Straßen und sind auf der Suche nach sexuellen Abenteuern." Und das vor Amerikanern, bei denen noch heute die Magazine wie "Playboy" oder "Hustler" nur verborgen hinter grauem Pappkarton in den Läden liegen. Ich outete mich als Rheinländerin, hatte aber Mühe, meine Wut zu zügeln, und sagte: "Dieser Erfahrung habe ich nie gemacht. Ich sehe im Karneval nur lustige und schunkelnde Menschen auf den Straßen." Mit seiner Äußerung verstieß der Herr auch gegen zwei weitere Spielregeln: Gäste müssen jede Form der Provokation vermeiden, ganz besonders in einem fremden Kulturkreis. Und dass man seinem Gesprächspartner immer ein gutes Gefühl geben muss und nur Vorlagen bietet, auf die er entspannt reagieren kann. Witze mit Sexbezug gehen mit Amerikanern nicht nur in den USA, sondern auch hier gar nicht. So hatte eine Universität im Rheinland einen Austausch mit einer US-Universität vereinbart. Die US-Studenten wurden von einem Professor begleitet. Abends gingen die deutschen und amerikanischen Studenten mit einigen Professoren aus, und der US-Wissenschaftler riss Witze, die den Deutschen nicht im Ansatz unangemessen vorkamen. Doch womit niemand rechnete: Eine der Studentinnen telefonierte am selben Abend mit ihren Eltern in den USA, berichtete von seinen Witzchen - und schon am nächsten Tag wurde der Professor von seiner Uni zurückgerufen, und zwei andere Professoren wurden eingeflogen.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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