Business Behaviour
Eingeladen und hängen gelassen

Wer als Gast vernachlässigt wird – darf das manchmal auch sagen. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Meine Freundin in Washington wollte mir die Geschichte partout nicht glauben. Dabei ist sie wahr. Die Bremer Journalistin, die bei einer Frankfurter Fluggesellschaft zu Besuch war, musste hungrig von dannen ziehen. Der Termin mit ihren beiden Gesprächspartnern hatte den ganzen Mittag über gedauert. Er endete damit, dass ihre Gastgeber um 14.30 Uhr aufstanden, sich zunickten und vermeldeten, dass sie nun essen gingen. Der verdutzten Dame drückten sie am Aufzug freundlich die Hand - zum Abschied, wie sie dann begriff.

Die Gretchenfrage ist, darf sie als Auswärtige in einer solchen Situation - zu einer Uhrzeit, wo Restaurants oft nichts mehr bieten und in einer fremden Stadt und alleine - insistieren? Darf Sie sich, konsequent gedacht, aufdrängen? Eigentlich nicht, denn Höflichkeit kann ich nicht einfordern und Unhöflichkeiten muss ich ignorieren.

Ich meine, hier sind Abweichungen von der Etikette gestattet. Man darf nicht stillos kontern, nicht süffisant oder ironisch werden, aber wenigstens diese Nachfrage ist zulässig: "Ich würde jetzt auch gerne etwas essen, haben Sie einen Restaurant-Tipp?" Wenn der Gesprächspartner jetzt immer noch nicht merkt, was die Glocke geschlagen hat, gibt es nur eine Konsequenz: Nie mehr wieder mit ihm einen Termin mittags vereinbaren. Bleibt die Frage, ob die Dame aus Bremen vorher schon hätte gegensteuern können. Am einfachsten wäre es schon beim Terminieren gewesen, sich direkt im Restaurant zu treffen. Der Vorschlag während des Termins, ein Pizza-Taxi anzurufen, ist heikel. Besser sie macht Bemerkungen, die humorvoll daherkommen, wie "Was Sie da hören, ist mein Magen." Nur bei Gesprächen mit dem Vorstand und der Führungsetage bleibt einzig und allein die Contenance und der knurrende Magen.

Gäste, die sogar ohne Wasser und Kaffee sitzen gelassen werden, dürfen selbstverständlich fragen. So erging es etwa einem Besucher nach einer Flugreise zu einem Bundesrichter. Der Jurist begrüßte ihn freundlich, geleitete ihn in die Sitzecke und sagte völlig arglos: "Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich meinen Kaffee weiter trinke."

Ganz unverzeihlich ist, wenn ein Gastgeber - wie kürzlich ein Rechtsanwalt - umdisponiert, ein geplantes Essen über den Kopf des Eingeladenen hinweg ausfallen lässt und mit ihm statt dessen in ein Büro wandert - warum auch immer. Weil ihm das Restaurant nicht passt oder weil dort jemand sitzt, dem er nicht begegnen will. In dem Fall darf der Gast ruhig irgendwann nachfragen, ob man einen Pizza-Boten bestellen kann.

Das Beispiel zeigt jedenfalls noch einen anderen Fettnapf auf: Wenn Sie in ein Restaurant einladen, überlassen Sie dem Gast nie die Auswahl des Lokals nur, weil er ortskundig ist. Programmiert ist dann das folgende Dilemma: Der Gast wählt stets, um bescheiden zu sein, einen ganz einfachen Italiener - und Sie wollten ihm eine besondere Freude machen oder legen selbst Wert auf ein besseres Ambiente. Pech gehabt.

Wer übrigens Asiaten um die Mittagszeit herum schmoren lässt, statt sie zum Essen auszuführen, hat sein Geschäft schon verloren. Solch ein Verhalten interpretieren Asiaten nicht nur als Fauxpas, sondern sogar als einen unverzeihlichen Affront und als Ablehnung ihrer Person. Und weil in ihrer Kultur Geschäfte nur mit Personen und nicht mit Firmen gemacht werden, ist das auch konsequent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%