Business Behaviour
Eingeladen – und trotzdem zahlen Sie

Die Lage ist vertrackt: Sie werden zum Business-Lunch eingeladen und als es ans Bezahlen geht, stellt Ihr Gastgeber fest, dass seine Kreditkarte im Restaurant nicht akzeptiert wird. Bargeld hat er aber auch nicht dabei.

Der hilflose Blick Ihres Gastgebers wandert direkt in Ihre Richtung...und Sie bezahlen. Natürlich versichert er Ihnen hoch und heilig, dass er es Ihnen umgehend zurückgibt. Was bis hierhin nur ein wenig peinlich ist, wird danach richtig peinlich. Wenn die Schulden nicht zurückgezahlt werden. Jeder eilt zurück ins Büro, der Alltagsdruck lässt das ernsthafte Vorhaben, gleich das Geld zu überweisen, in Vergessenheit geraten. Die Gretchenfrage: Darf man den anderen an die offene Rechnung erinnern oder nicht? Man darf. Unbedingt sogar. Sonst wäre es demjenigen nur noch unangenehmer, wenn es ihm viel später auffällt.

Oft sind es ja geringe Beträge, die sich ein Kollege oder ein Geschäftsbesucher pumpen. Da gibt es die Kollegen, denen am Kaffeeautomat das Kleingeld fehlt, von denen man aus Höflichkeit den Mini-Betrag nie einfordern würde. Oder den Kollegen, dem Münzgeld für Zigaretten fehlt. Gerade deshalb sollte sich jeder, der nicht gern in den Geruch eines Schnorrers kommen will, besonders gut um seine Schulden kümmern. Und sei es nur, um zu signalisieren, dass er die Hilfsbereitschaft nicht im nächsten Augenblick vergessen hat.

Wie oft erlebe ich es bei Veranstaltungen, dass ein Gast - meist der Jüngste, also der mit dem geringsten Gehalt, - anbietet, etwas von der Bar mitzubringen. Von Kaffee, über Weißwein bis Cognac - mitten im Gespräch wird das Glas angenommen, manchmal nur mit dem Kopf genickt, um die Unterhaltung nicht zu unterbrechen - und das Bezahlen wird vergessen. Sicher nur aus Unüberlegtheit.

Am besten ist es ohnehin, wenn bei solchen Veranstaltungen einer der Führungskräfte seine Mitarbeiter zu einer Runde einlädt und die Rechnung übernimmt. Aus Prinzip - und weil so eine freundliche Geste immer gut ankommt. Ein Chef, der seinen Leuten nach dem Essen in der Kantine immer einen Kaffee spendiert, macht sich nicht nur beliebt - sondern stellt auch seine Position klar. Positiv.

Unangenehm ist dagegen, wenn Chefs einen Mitarbeiter auffordern "Holen Sie mir doch bitte mal eben ein Würstchen." Und ihm nicht gleich das Geld mitgeben. Denn den jungen Mitarbeitern fehlt oft der Mut, nach dem Geld zu fragen. Ich kann auch nur raten, es zu lassen.

Möchte jemand das Geld nicht zurückhaben, sagt er am besten ausdrücklich "Fühlen Sie sich eingeladen". Und dann darf der Bedachte auch nicht weiter insistieren oder abzuwehren versuchen, sondern ihm bleibt nur noch eins - sich nur noch höflich bedanken.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

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