Business Behaviour
Essen Sie nie den letzten Gang

Einen Asiaten das Gesicht verlieren lassen ist unverzeihlich Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Kein Raucher war dabei - trotzdem entschuldigte sich der Chinese mit den Worten "Ich gehe Zigaretten holen" bei Rebecca Rosendeldt und den deutschen Managern aus der Stahlbranche. Skurril? Nein, er wollte der Gruppe nur die Gelegenheit geben, sich untereinander zu besprechen, ohne ihn. Die Reaktion ist typisch für asiatische Manieren: Sensibel und diskret, ohne Aufhebens. Hauptsache, der andere verliert sein Gesicht nie. Das ist unverzeihlich.

Dass die Positionen dennoch klar werden, dafür sorgen feste Rituale wie bei der Sitzordnung: Der Gastgeber sitzt mit dem Blick auf die Tür, sein Vize sitzt ihm gegenüber. Dieser Herr bezahlt am Ende auch das Essen und darf bei keiner Danksagung fehlen. Rechts vom Gastgeber wiederum darf der wichtigste Gast sitzen und links von ihm der Zweitwichtigste. Die übrigen Plätze werden nach Rang vergeben. Und weil es keine Tischkarten gibt, wird jedem sein Platz zugewiesen. Sie können also nichts verkehrt machen - nur eigene Ideen sollten Sie lassen.

Dasselbe gilt für die Auswahl des Essens. Da dürfen Sie nämlich nicht mitreden. Die Speisen sucht der Gastgeber alleine aus. Viel Gegenwehr haben Sie nicht: Nur wenn Sie zum Beispiel keinen Fisch vertragen, sollten sie es erklären und dürfen diesen einen Gang passieren lassen. Wenn es hoch kommt, bekommen Sie nämlich bis zu 20 Gängen, alles in Mini-Portionen. Schwierig wird es, wenn Sie verwöhnt sind: Es fällt unangenehm auf, wenn Sie sich bei weiten Teilen des Menüs mit seinen unbekannten Bestandteilen enthalten. Sie müssen nicht alles aufessen, aber wenigstens nippen. Weil der Gastgeber sonst - nach asiatischem Maßstab - sein Gesicht verliert. Er hat dann den Fehler gemacht, falsch zu wählen.

Über den Tisch zu langen, ist sehr unhöflich. Nach Besteck dürfen Sie zwar fragen. Besser ist es aber, Stäbchen zu nehmen. Völlig tabu ist der letzte Gang, auch wenn er noch so lockt: Was aussieht wie Nasi Goreng beim Chinesen um die Ecke und in einer Reisschale vor Sie gestellt wird, davon dürfen Sie maximal ein Drittel essen. Es ist in Wirklichkeit eher ein Alibi, das sich der Gastgeber selbst gibt - dass seine Gäste wirklich gesättigt sind. Wer in diesem Moment großen Appetit entwickelt und aufißt, benimmt sich deutlich daneben und stürzt den Gastgeber in mittlere Verzweiflung. Ohne Übertreibung.

Verletzend ist es übrigens, wenn Sie Stäbchen senkrecht in den Reis stellen. Denn dies sieht so aus wie im Tempel, wo zum Andenken an die Verstorbenen Räucherstäbchen in Sandschalen stecken.

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