Business Behaviour
Fragen Sie nie „warum“

Was tun, wenn andere weinen (Teil II) Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Es gibt so Situationen, in denen so ziemlich jeder hilflos wird - wenn andere Menschen in Tränen ausbrechen. Auch und gerade, wenn man Beobachter ist. Zwar kann und soll man dann Hilfe anbieten. Aber nur einmal - und dann ist abzuwarten, ob das Angebot angenommen wird. Ist es ein Manager, der ausnahmsweise einmal weint - das passiert, wenn auch am ehesten unter vier Augen - , ist eine noch sensiblere Reaktion angebracht. Die Frage "Darf ich fragen, ob Sie mit mir reden möchten?" geht so gerade noch. Eventuell könnte man nur eine Notiz auf den Schreibtisch legen, die Gesprächsbereitschaft signalisiert und den Raum verlassen. Ein direktes Fragen nach dem Warum jedenfalls darf nicht sein.

Ganz peinlich für den Betroffenen sind Ausbrüche in der Öffentlichkeit - aber manchmal eben unvermeidlich. So hatte sich eine Freundin von mir, eine Geschäftsfrau aus Süddeutschland, trotz eines Bandscheibenvorfalls zu einer Konferenz geschleppt. Sie stand gerade vor dem Konferenzsaal zusammen mit einem Herrn aus einem anderen Unternehmen, als dessen oberster Chef vorbeikam und ihr - er war mit der Dame schon einmal zusammengerasselt und mochte sie nicht - einen etwas zynischen Satz zuwarf. Normalerweise hätte sie darüber hinweggehört oder gekontert, aber an diesem Tag brach sie in Tränen aus, wegen der Schmerzen und ihrer Konstitution. Der Verursacher reagierte unpassend, aber leider typisch und setzte noch eins drauf: Er ergriff rasch die Flucht und überließ das Glätten der Wogen seinem Mitarbeiter. Schade eigentlich, vielleicht hätte dies der Moment sein können, in dem die beiden ein besseres Verhältnis hätten entwickeln können. Schließlich sind wir im Job alle auch noch Menschen - und keine Roboter.

Viel geschickter reagierte da ein Firmenrepräsentant in Singapur, als die Ehefrau eines anderen deutschen Managers bei einem Business-Empfang in der Botschaft anscheinend etwas zu viel getrunken hatte, plötzlich zu weinen begann und über ihre unglückliche Ehe sprach. Jener ging zu der Dame hin und sagte: "Ich möchte Ihnen gerne etwas zeigen." Er führte sie hinaus zu einem Tisch, auf dem Unterlagen seiner Firma auslagen, verwickelte sie ins Gespräch und kam zehn Minuten später wieder mit ihr zurück. Als sie sich beruhigt hatte. Das war die hohe Schule von Stil und Souveränität.

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