Business Behaviour
Frohes Fest mit Händedruck

Den weihnachtlichen Büroalltag habe ich als Teenager so kennen gelernt: Unsere gesamte Familie - ich stamme aus einem mittelständischen Unternehmerhaushalt, ein Verlag mit Druckerei - machte am Morgen des 24. Dezember die Runde durch den Betrieb.

Meine Schwestern und Eltern, wir alle gingen zusammen in jedes Büro sowie in die Setzerei und Druckerei. Jedem der 110 Mitarbeiter schüttelte jeder von uns die Hand und wünschte "Frohe Weihnachten". Mein Vater gab jedem Einzelnen eine Tüte mit Wein und ein paar ausgesuchten Lebensmitteln wie einer guten Salami.

Dieses Ritual war Teil unseres Lebens, ebenso wie es die Mitarbeiter selbst waren. Wir wussten, wie es um die einzelnen Leute stand. Mein Vater fühlte sich verantwortlich für seine Leute und deren Familien. Die Zeiten waren wirtschaftlich schwierig. Zusammengehörigkeitsgefühl und Loyalität standen außer Frage. Die Menschen haben sich im Kern bis heute nicht geändert: Jeder will ein Quäntchen Respekt und Anerkennung bekommen - auch und besonders von den Vorgesetzten.

Ich meine, die Chefs müssen sich heute nicht wundern, wenn sie die Loyalität ihrer Mitarbeiter vermissen. Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt in Ihrer Abteilung oder ihrem Unternehmen so richtig die Runde gemacht und jedem die Hand geschüttelt? Eins steht fest: Eine E-Mail kann einen Händedruck nicht ersetzen. Eine E-Mail mit einem Gag macht es nicht besser. Den eigenen Mitarbeitern eine Weihnachtsmail schicken ist stil- und seelenlos. So eine technische Krücke darf nur zu Hilfe nehmen, wer das Krankenbett hüten muss oder sonstwo auf der Welt unterwegs ist. Aber der muss dafür am 2. Januar die Runde nachholen und ein "Gutes Neues Jahr" wünschen.

Ansonsten gilt: Zwei, drei Stunden vor Dienstschluss am 23. Dezember muss der Boss die Runde drehen, und zwar im zugeknöpften Jackett. Er sollte sich für den guten Job, den die Leute gemacht haben, ausdrücklich bedanken. Vielleicht für ihre Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft oder die positive Ausstrahlung - Hauptsache, man fühlt sich als Mensch persönlich und ehrlich angesprochen. Für Amerikaner ist so etwas selbstverständlich. Dort wird auf höflichen Umgang Wert gelegt, was Stimmung wie Produktivität gut tut. Diese Emotionalität empfinden wir als wenig professionell, was im menschlichen wie im kaufmännischen Denken ein Fehler ist. Nur wer das ganze Jahr über eiskalt war und den ganzen Umgang miteinander aufs absolut Dienstliche reduziert hat, bei dem würde solch ein Auftritt unglaubwürdig und peinlich wirken. Aber so sind Sie doch nicht, oder?

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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