Business Behaviour
Geben Sie anderen ein gutes Gefühl

Es gibt Situationen, da muss man all seinen Mut zusammennehmen, um guten Benimm an den Tag zu legen. Eine heikle Lage verlangt Contenance. Erst recht vom Chef.

Etwa als ein Unternehmer seinen 60. Geburtstag auf einem Schloss feierte. Das Büfett und die Deko waren beeindruckend. Dumm nur, dass das Büfett zu schnell abgegrast war, so dass ein Drittel der Gäste noch nichts auf den Tellern hatte und verloren vor leeren Platten herumstand. Doch statt Nachschub bekamen diese nur die Bemerkung eines verlegenen Studentenkellners auf der anderen Seite des Tischs zu hören: "Es ist kein Essen mehr da. Das war?s wohl." Die Reaktion war ehrlich wie spontan, nur leider wenig zielführend. Der Caterer war nicht in Sicht, sondern nur Aushilfen, die nicht wagten, die Organisation in die Hand zu nehmen. Der Gastgeber am Ehrentisch hatte mit dem Essen begonnen, ihm war entgangen, dass das Büfett nicht reichte.

Die Wartenden wussten nicht recht, was tun. Ein Rheinländer machte prompt den Vorschlag, den Pizzaservice zu bestellen - um sich dann aber doch umzubesinnen, ein Herz zu fassen und den Gastgeber zu verständigen. Und allein das war die einzig richtige Art, mit dieser Panne umzugehen: den Gastgeber darin zu unterstützen, dass der Abend noch gelingt. Auch wenn es dem Petzenden erst einmal peinlich war. Aber klar ist: Witzeleien sind in so einem Augenblick absolut fehl am Platze.

Ebenso wenig wie in dem Fall, als vier Besucher einer Anwaltskanzlei in einem Altbau im Aufzug stecken blieben. 20 Zentimeter unter dem Stock, wo sie hin wollten. Der herbeigeeilte Gastgeber amüsierte sich und rief hinab, dies komme öfter vor: immer, wenn der Aufzugtechniker zur Wartung da gewesen sei. Und ein weiterer Zuschauer wurde so aufgeregt, dass er gar zu Schuldzuweisungen überging, statt zu handeln. Vier Leute seien zu viel für den Aufzug, rief er laut zu den Feststeckenden. Wenig hilfreich und eventuell Klaustrophobie fördernd. Und es stimmte auch nicht, denn im Aufzug hing ein Schild, das genau vier Personen erlaubte. Jedenfalls verstieß er mit seiner verletzenden Spontanreaktion gegen die Grundregel guten Benehmens "Gib deinem Gegenüber ein gutes Gefühl, erweise angemessenen Respekt."

Auch eine heikle Lage rechtfertigt keine Aussetzer, sondern verlangt Contenance. Und erst recht vom Chef und so lange, bis Hilfe kommt. Denn es gibt einen feinen Unterschied zwischen provokanten Verletzungen und peinlichen, aufgeregten Versprechern. Letztere sind dusselig, aber nicht böse gemeint. Doch gerade die Disziplin, sich einen Kommentar zu sparen, zeichnet den Stilvollen aus.

Business Behaviour gibt es jetzt auch als Buch: Redline Verlag, 15,90 Euro. Zu bestellen unter: www.handelsblatt-shop.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%