Business Behaviour
Gesprächskiller Oberlehrer

Welche Äußerungen man auf internationalem Parkett lassen sollte Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Manfred, Du brauchst uns nicht zu erklären, warum die Uhr tickt? Sage uns nur, wie spät es ist", foppte Chrysler-Chef Bob Eaton einst Manfred Genz, den Finanzchef von Daimler. Und er traf den Nagel auf den Kopf: Amerikanische Geschäftsleute denken über uns Deutsche, dass wir bei Präsentationen gleich ein umfassendes Regelwerk unseres Wissens präsentieren.

Mehr noch, dass wir allzu deutlich Kritik äußern und zu Besserwisserei neigen. Mein Tipp für internationale Verhandlungen und Small Talk: Predigen Sie nie, geben Sie keinesfalls den Oberlehrer und übersetzen Sie keine Witze. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber stattdessen ehrliches Interesse am Gespräch, seien Sie charmant. Das lässt sich übrigens lernen, taugt als Allzweckwaffe in sämtlichen Lebenslagen und ist ein Teil interkultureller Kompetenz. Politik und Religion als Thema sind dagegen nur für Gespräche im vertrauten Freundeskreis möglich, wo Anecken erlaubt ist.

Die folgenden Redewendungen sind absolute Gesprächskiller, die nur dafür sorgen, dass sich der andere in Ihrer Gegenwart unwohl fühlt - gerade auf internationalem Parkett: "Das hätte ich auch anders gemacht." Oder: "Ich hab es doch gleich gesagt." Auch ein "das macht doch keinen Sinn und man muss es so machen" bei einem Geschäftstermin wirkt auf Amerikaner ebenso verletzend wie auf Asiaten.

Vor allem - man blamiert sich nur selbst: Wenn ein Chef seinen Mitarbeiter - quasi firmenintern, aber in Gegenwart der Geschäftspartner - herunterputzt, wirkt es auf Asiaten abstoßend. Diese ziehen ihre Schlüsse, wie man auch mit ihnen im Zweifelsfall umgeht und wobei sie ihr Gesicht verlieren würden. Wer in Asien respektiert sein möchte, muss in erster Linie ein persönliches Vorbild sein und erst in zweiter Linie ein fachliches Vorbild.

Ich habe erst kürzlich wieder erlebt, wie ein Asiate seinem deutschen Partner gegenüber erst etwas kritisierte - dann aber gleich hinzufügte, es sei sicher sein Fehler gewesen, sich nicht klar ausgedrückt zu haben. Mit nur einem Ziel: Den anderen sein Gesicht wahren zu lassen. Sehr klug. Pflegen deutsche Geschäftsleute eine direkte Sprache und verbuchen kritische Äußerungen unter konstruktiver Kooperation, so kommt das im Ausland gar nicht gut an. Ganz wichtig: Ein höflicher Tonfall, auch wenn er für deutsche Ohren übertrieben klingen mag. Statt "no" genügt in Asien ein "maybe", "perhaps" oder "I think about it". Und überall gilt: Fragen sollten mit "Would you mind" oder "Is it possible" beginnen.

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