Business Behaviour
„Grappa für alle“

Die Weihnachtsfeier mit der Belegschaft ist eins der Highlights des Jahres und eine gute Chance, selbst in schlechten Zeiten und in Krisen als Chef Signale zu senden. Auch die Mitarbeiter als Gäste haben die Pflicht, gute Gäste zu sein und zum Gelingen des Fests beizutragen.

Der Abteilungsleiter des rheinischen Unternehmens war auf der Weihnachtsfeier so richtig gut drauf und hatte schon ordentlich dem Alkohol zugesprochen. Leut- und weinselig lud er in einer Tour immer wieder all seine Mitarbeiter zu einer weiteren Runde Grappa ein - und nötigte sie manch einem gar richtig auf. Auch die letzte Bahn sollten alle ruhig fahren lassen, die Firma übernähme die Taxikosten. Gesagt, getan - bis am nächsten Arbeitstag die Sekretärin ihm die entsprechende Spesenabrechnung zum Abzeichnen vorlegte: "Wer hat denn hier die 60 Grappas getrunken? Wieso Taxikosten für die Heimfahrt?" Das Ende vom Lied: Jeder Mitarbeiter musste aus der Privatschatulle draufzahlen. Der Chef war derart angesäuselt gewesen, dass er sich an seine vollmundigen Versprechen nicht erinnern konnte.

Dabei ist die Weihnachtsfeier mit der Belegschaft eins der Highlights des Jahres und eine gute Chance, selbst in schlechten Zeiten und in Krisen als Chef Signale zu senden. Und umgekehrt, madig machen innerhalb der Belegschaft gilt nicht. Auch die Mitarbeiter als Gäste haben die Pflicht, gute Gäste zu sein und zum Gelingen des Fests beizutragen. Miesmacher gibt es immer. Zu denen zählen auch diejenigen, die sich nach dem Aufspielen der Band an der Theke festklammern und - unhöflicherweise und typisch deutsch - jeden Tanz verweigern mit dem Hinweis "Ich bin Nichttänzer." Ich habe so etwas bei noch keinem Franzosen oder Italiener erlebt, und die kämen sich auch lächerlich vor. Jedenfalls der Chef muss aufs Parkett, besonders zur Eröffnung des Tanzens.

Ganz daneben ist es, wenn der Chef der Feier fern bleibt. Warum auch immer. Bei Unternehmern habe ich so einen Fauxpas noch nie erlebt, allenfalls bei angestellten Managern. Apropos Chefs: Aus Respekt vor den Mitarbeitern muss er ihnen Anerkennung für die Leistungen übers Jahr aussprechen. Und zwar nicht nur den Günstlingen oder Sympathieträgern, sondern allen - ohne auf die Hierarchie zu achten. Mehr noch: Die Führungskräfte müssen von Tisch zu Tisch gehen, jedem mal ins Gesicht schauen und ein paar nette Worte verlieren. Gespräche über Negatives aus der Firma sind ebenso tabu wie das Ablästern über Kollegen und Vorgesetzte.

Generös ist es, wenn Abteilungsleiter oder Firmeninhaber die Mitarbeiter nach Hause einladen. Mehr Wertschätzung kann man seinen Leuten kaum erweisen. Wem dies passiert, der sollte schon vormittags einen Blumenstrauß - mit Dankeskarte im Namen aller - an die Privatadresse schicken.

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