Business Behaviour
Halten Sie es einfach mal aus!

Zuweil nerven Kollegen und Chefs und sie denken nur an eins: Flucht. Doch tatsächlich die Flucht zu ergeifen, geht nicht. Die Devise ist: Halten Sie aus ! Ein paar Minuten erfordert einfach der Anstand.

Wer Ihnen heute auf die Nerven fällt, kann morgen schon Ihr Chef sein. Oder Ihr Kunde. Oder mit Ihnen ein Team bilden, weil es die Unternehmensleitung plötzlich so entschieden hat. Daran sollten Sie immer denken, wenn Sie etwa beim Betriebsfest oder auch nur in der Kaffeeküche sich als Opfer fühlen, weil ein Kollege Sie zutextet, sprich: ohne Punkt und Komma auf Sie einredet. Und Sie denken eigentlich nur an eins: Flucht. Doch einfach den anderen stehen lassen und sich nur entschuldigen mit Dackelblick und mit dürren Worten wie "Ich habe noch so viel Arbeit" oder "Ich muss dringend diesen oder jenen sprechen", das geht einfach nicht.

Die Devise ist: Halten Sie ihn aus! Ein paar Minuten erfordert einfach der Anstand. Ein paar Minuten des Zuhörens, Nachfragens, Antwortens - und dann erst ist ein Themawechsel oder das Verabschieden zulässig. Sie müssen es aushalten, sich auch mal auf andere einzulassen, die nicht Ihre Lieblingsgesprächspartner sind. Wer weiß, was Sie en passent Wertvolles erfahren?

Klaus Siegloch-Peter vom ZDF ist so jemand. Er brachte es fertig, in seiner Zeit als Studiochef in Washington bei einem Fest von BMW den halben Abend mit einem älteren Herrn nur so zu verplaudern. Und nicht den Ehrgeiz an den Tag zu legen, ausschließlich mit möglichst vielen, wichtigen Hierarchen zu sprechen - und dachte gar nicht daran, den Herrn zu Gunsten der Big Shots zu vernachlässigen.

Gerade bei Betriebsfesten ist es bitter, stehen gelassen zu werden. So wie ein Regenschirm. Weil der Gesprächspartner plötzlich einen wichtigeren entdeckt, an den er sich lieber rasch heranpirschen will.

Ganz tabu ist es, eine Dame alleine stehen zu lassen. Oder einen Neuankömmling, der auf gerade dieser Veranstaltung keine weiteren Kontakte hat. Notfalls ziehen Sie einen Vorbeikommenden Kollegen mit ins Gespräch hinein - und stehlen sich erst dann weg, wenn das Gespräch auch ohne Sie seinen Gang nimmt.

Abgelegt wie ein alter Mantel kommen sich die vor, die alleine mit ihrem Teller am Tisch zurückgelassen werden. Mittags in der Kantine passiert das ganz schnell. Unbeabsichtigt, aber leider auch völlig gedankenlos. Es läuft immer wieder so ab: Einer steht auf, entschuldigt sich etwa mit einem Telefontermin, und sofort schließen sich - schwuppdiwupp - zwei Kollegen an und brechen mit auf, obwohl der vierte am Tisch noch nicht seinen Teller leer gegessen hat. Das ist ein Nono. Wenn Sie der Vorletzte sind, gilt: Lassen Sie keinen alleine, der noch isst. Diese fünf Minuten müssen sein, die man dann immerhin einem Kollegen Gesellschaft leistet.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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