Business Behaviour
Herren- sandalen sind tabu

Wenn das Thermometer im Büro schon um neun Uhr morgens die 30 Grad übersteigt, ist manch ein Mitarbeiter geneigt, den feinen Zwirn im Schrank zu lassen und eine luftigere Bekleidung vorzuziehen. Welche Kleidungsstücke dabei erlaubt sind und von welchen sie lieber Abstand nehmen sollten, dass erfahren Sie im Handelsblatt Business Behaviour.

Der Personalchef eines Hamburger Konzerns klang völlig genervt und stöhnte: Die Geschäftsleitung drehe schier durch, wenn sie sieht, in welchem Aufzug derzeit - bei den tropischen Temperaturen - die Konzernmitarbeiter zur Arbeit erschienen: "Manche sehen so aus, als trügen sie noch ihren Schlafanzug." Birkenstocks und Bermudas herrsche bei den Männern plötzlich vor, die Damen trügen zu kurze Röcke und Spaghettihemdchen mit tiefen Ausschnitten. Er könne ja schlecht den Mitarbeitern vorschreiben, was sie anziehen müssten.

Was er denn tun solle? Zunächst einmal muss er klarstellen, was die Geschäftsleitung nicht sehen will. Also: Der Rock soll zumindest bis kurz vorm Knie reichen, das Dekolleté keine Einblicke erlauben. Shorts sind tabu, für Frauen wie Männer. Bermudas gehen in konservativen Unternehmen auch nicht. Kurzärmelige Hemden, in denen Herren stets wie Knaben wirken, sollten dem Wochenende vorbehalten bleiben. Ich empfehle, langärmelige Hemden hochzukrempeln. Die Herrensandalen und hinten offene Schuhe sind ein besonderes Thema: Egal, wie gut das Fußbett ist, Sandalen sind unmöglich. Ob ohne - oder schlimmer noch - mit Socken. Die Alternative sind geflochtene, aber vorne geschlossene Slipper - die gehen.

Sicher sind Feinstrümpfe für Damen normalerweise ein Muss, aber ohne Klimaanlage bei Hitze nicht mehr. Aber ebenso wenig dürfen stattdessen behaarte Beine und Achseln oder länger vernachlässigte Füße entblößt werden. Denn: Kleider sind immer eine Sache des Respekts vor anderen Menschen - doch zur eigenen Qual dürfen sie auch nicht werden. Und Damen, die sich ohnehin schon beklagen über anzügliche Blicke, sollten diese nicht noch provozieren durch Stilettos, Ultra-Minis und tief gebundene Cache-Coeurs.

Die Verantwortung liegt aber bei der Führungsriege: Sie muss Regeln verkünden und damit Sicherheit geben. Und: Sie ist es, die den Spirit aufrechterhalten muss. Ich weiß von einem Chef einer großen Werbeagentur, der dieser Tage ab 17 Uhr allen hitzefrei gab - und persönlich auch den Letzten aus der Bürotür scheuchte. Manche Unternehmen geben ab 30 Grad Eistee aus, aber die sollten es dann bitte auch jedem Mitarbeiter sagen - und den Tee nicht nur in eine Ecke stellen, zur freien Bedienung. Auch eine Runde Eis für alle motiviert und stärkt die Nerven. Das ist im Übrigen die Gelegenheit schlechthin, auch als Chef auf einer unteren Ebene bei seinen Leuten Punkte zu sammeln.

Von Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

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