Business Behaviour
„Ich habe Ihre Nachricht gar nicht abgehört“

"Haben Sie kürzlich meine Voice-Mail gehört?", fragte die Anwältin ihren älteren Partner. Zurück kam die schallende Ohrfeige, verbal: "Ach, ich habe gesehen, dass Sie mir aufs Band gesprochen haben. Ich hab?s gar nicht erst abgehört." Wie soll man auf solche Borniertheit reagieren?

Die angestellte Anwältin war fassungslos. Sie war einem älteren Partner auf dem Gang begegnet, und sie hatten ein paar Worte wegen eines gemeinsamen Mandanten gewechselt, die dem Mann offensichtlich bereits zu viel waren. Schon im Weggehen fragte sie ihn noch: "Haben Sie kürzlich meine Voice-Mail gehört?" Und zurück kam die schallende Ohrfeige, verbal: "Ach, ich habe gesehen, dass Sie mir aufs Band gesprochen haben. Ich hab?s gar nicht erst abgehört." Wie bitte? Und dann kam zur Erklärung: "Es ging doch um den Mandanten. Ich wusste ja, worum es ging." Die Anwältin war fassungslos. Genau das war es nicht gewesen. Auf dem Anrufbeantworter hatte sie dem Partner eine wichtige Nachricht in einem anderen Fall wegen eines anderen Klienten hinterlassen. Und für die war es inzwischen zu spät.

Wie man auf solche Borniertheit reagieren soll? Mit Sätzen wie "Ich bin jetzt irritiert. Ich kann das nicht zuordnen." Oder "Entschuldigung, wie meinen Sie das?" Oder: "Wie soll ich das verstehen? Wie kann ich das professionell einordnen?" Nehmen Sie die Arroganz Ihres Gegenübers nicht an. Schauen Sie ihm fest in die Augen und begeben Sie sich ja nicht selbst auf das Niveau herab. Mit dieser Einstellung steht der Kommunikationsfluss im Unternehmen auf wackligen Beinen. Anrufbeantworter abzuhören und Mails zu lesen - auch wenn man glaubt, durch den Betreff oder die ersten Sätze schon zu wissen, was der andere sagen will, ist unumgänglich. Für Verantwortliche gerade heute allemal. Mit dem vorschnellen Urteil, "man wisse schon ..." liegt man nämlich oft schief. Vielleicht hat sich auch gerade etwas Entscheidendes geändert und deshalb wurde auf den Anrufbeantworter gesprochen. Auch die Haltung, "vom Kollegen Wichtelheinz kann einfach nichts Wichtiges kommen", kann fatal enden. Ganz zu schweigen vom Fall der Fälle, wenn ein Schaden eingetreten ist: Dann nimmt anschließend kein Richter mehr einem Geschäftsführer oder Vorstand sein Unwissen ab. Dann hätte er es eben wissen müssen, basta.

Ganz grandios ist der Manager des Dienstleisters mit Hunderten von Mitarbeitern, der seine Mails fast nie liest. Aus Prinzip. Das teilt er aber weder allen mit, noch schafft er seine Mailadresse ab oder leitet alles auf seine Assistentin um. Nichts von alledem. Er liest sie einfach nicht, und wenn am Ende Kunden wütend sind und Termine platzen, müssen sich eben seine Leute für ihn entschuldigen. Dann kann nur der ranghöchste Mitarbeiter die Folgeprobleme ansprechen und ihm die Lösungen vorschlagen. Denn nur Chefs, die professionelle Disziplin vorleben, können diese auch einfordern.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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