Business Behaviour
Jeder muss irgendwann mal Bitte sagen

Jeder ist einmal Bittsteller, auch wenn er sonst - etwa als Manager - selten bitten muss. Weil er immer nur Anordnungen erteilt und seine Wünsche erfüllt bekommt. Gründe gibt es genug.

Jeder ist einmal Bittsteller: Da kann eine Führungsebene wegrationalisiert werden, ein neuer Unternehmenslenker kann kommen, der nur mit neuen Besen kehren will, oder es kann zum Streit kommen, und schwups, steht sogar eine Führungskraft ruck, zuck nicht mehr hinter, sondern vor dem Firmentor. Oder: Der Sohn des Top-Managers möchte ein Praktikum in einer Branche, wo der Vater keinen Einfluss hat - und trotzdem soll dieser helfen.

Wie schwer es ist, plötzlich um etwas bitten zu müssen, und wie unangenehm es sich anfühlen kann, erfuhr Sonja Lahnstein, die Frau des Ex-Finanzministers. Und zwar in ihrer Rolle als Spendensammlerin für eine Jugendinitiative, bei der sie "nur mit Glück mal zum Konzernvorstand dringt". Oder dass ihre Briefe fast ohne Resonanz blieben.

So schnell kann die Rolle wechseln. Und wie oft habe ich im Ausland Repräsentanten von Top-Unternehmen erlebt, die um den Zuschlag zitterten für die Lieferung von Zementanlagen, LKWs oder Computersystemen. Große Architekturbüros und Beratungen habe ich auf den erlösenden Anruf warten sehen - da war es plötzlich vorbei mit dem selbstsicheren Auftritt. Dort, wo alle Ex-Patriats waren, hat man nämlich auch Sorgen und Nöte untereinander mitgeteilt - und geteilt. Und weil jeder auch anständig behandelt werden will, wenn er mal nicht am längeren Hebel sitzt, sollte er sich selbst absolute Disziplin gegenüber Bittenden abverlangen - und keinen sein Gesicht verlieren lassen.

Auch das Handelsblatt erreichte kürzlich ein Brief mit der Absage eines Marktführers für industrielle Verbindungstechnik. Der war bei einer Umfrage über Unternehmensberater angeschrieben worden, die Antworten hätten einen kompetenten Manager zehn Minuten gekostet. Die Absage aber klang wie Hohn und Spott - und arrogant: "Auf Grund der Vielzahl von Umfragen, die unser Haus erreichen, haben wir uns auferlegt, derzeit an keinen Umfragen teilzunehmen. Diese grundsätzliche Entscheidung (Geschäftsleitungsbeschluss) soll auch den nicht unerheblichen Zeitaufwänden Rechnung tragen, die bei valider Beantwortung zum Tragen kommen. Wir wünschen Ihnen trotzdem viel Erfolg." Man hätte auch schreiben können: "Wir haben keine Zeit, leider." Eine ehrliche Absage zeugt von Respekt.

Auch Vorgesetzte sollten dies immer im Kopf haben: Nie den anderen klein machen. Ohne das Vertrauen seiner Leute kommen sie selbst langfristig auch nicht weit.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

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