Business Behaviour
„Können Sie das überhaupt belegen?“

Auch Zuhörer können Redner ganz schön ins Schleudern bringen. So erlebte ich es erst vor kurzem in München bei einer Tagung. Einem Herrn im Publikum sagte der Vortrag offenbar nicht zu. Das zeigte er und brachte die Rednerin völlig aus dem Konzept. Wie man in einer solchen Situation am besten reagiert.

Ich habe es erst vor kurzem in München erlebt bei einer Tagung zum Thema "Unternehmenskultur in internationalen Unternehmen": Eine junge Akademikerin hielt einen Vortrag, der einem Herrn in der ersten Reihe offenbar nicht zusagte. Er lehnte sich zurück, grinste und fragte süffisant "Welche Grundlagen haben Sie denn für Ihre Thesen? Können Sie sie überhaupt belegen?" Die Rednerin kam aus dem Konzept, aber das hatte er wohl auch bezweckt.

Wie man in so einer Situation am besten reagiert? Zuerst einmal hätte sie freundlich nach seinem Namen fragen können: "Bevor ich antworte, sind Sie vielleicht so freundlich, uns Ihren Namen und Ihr Unternehmen zu nennen. Da wir uns alle nicht kennen, können wir uns auf diesem Weg etwas kennen lernen." So etwas nimmt Nörglern jedenfalls schon einigen Wind aus den Segeln. Anonym oder aus der Deckung lässt es sich gut spotten, aber mit vollem Namen und Arbeitgebernennung überlegt sich dann manch einer doch, wie er auftritt.

Als Nächstes ist die Taktik namens Teflon-Pfanne-machen angezeigt - jedenfalls in dem Moment und vor größerem Publikum: "Ich wollte Sie nicht mit Statistiken langweilen, aber selbstverständlich lasse ich sie Ihnen gerne zukommen." Oder: "Sehr gerne gebe ich Ihnen Hintergrundinformationen" - und erzählen dann einige Grundlagen-Infos. Auch "Können Sie bitte Ihre Frage für uns alle noch einmal konkret wiederholen, damit ich Ihnen detailliert antworten kann" hilft aus unspezifischer Stimmungsmache sachliche Beiträge zu machen. Und es hilft dem Redner aus der Defensive. Das Wichtigste ist, nicht betroffen zu schweigen, sondern professionell den Ärger wegzustecken: Aktiv werden mit Ich-Botschaften oder Erklärungsangeboten.

Was jedenfalls nicht hilft, auch wenn es noch so gut gemeint ist: Sitzt auch ein Vorgesetzter des Redners im Auditorium, so sollte er auf gar keinen Fall seinem Mitarbeiter beispringen und ebenso wenig mit Quellen aushelfen in dem Moment. Dann würde der Redner obendrein auch noch als kleiner Assistent dastehen - der vom Chef Hilfe braucht. Die Situation wurde übrigens endgültig gerettet durch einen Schweizer, der aufstand, sich korrekt vorstellte samt Firmennamen, für den informativen Vortrag dankte - und allein durch sein Vormachen, wie?s richtig geht, den Nörgler umso peinlicher aussehen ließ.

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