Business Behaviour
Kurz und herzlos

Todesanzeigen vom Arbeitgeber sind ein heikles Thema Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Die Todesanzeige, die eine der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vor wenigen Wochen geschaltet hatte, war Furcht einflößend. Weil sie so herzlos war. Da war einer ihrer Partner - noch unter 60 Jahren alt - verstorben, und es kam kein einziges Wort über ihn als Mensch vor. Da war die Rede von seinen Leistungen, immerhin. Aber ob er vielleicht besonders hilfsbereit, integrativ, humorvoll, fröhlich oder gewandt war - das hielt man wohl nicht für mitteilenswert. Fast nach dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Was natürlich nicht zu kurz kam, war dagegen der volle Name der Firma.

Wogegen auch sicher in den meisten Fällen nichts spricht. Nicht zuletzt, weil auch der Verstorbene selbst sicher stolz auf seine Firma war. Und weil die Angehörigen solchen Dingen immer besonderen Wert beimessen. Zu Recht. Nur das Firmenlogo, das sollte in Todesanzeigen nicht prangen.

Doch eins muss immer passieren: Die Pesonalabteilung, die solche Anzeigen schaltet, muss sich auf die Suche begeben, nach langjährigen Kollegen oder gar Freunden. Diese können berichten, welche besonderen persönlichen Eigenschaften der Verstorbene hatte. Denn die gehören unbedingt in so eine Anzeige. Es gibt genug positive Eigenschaften, die auch in der Berufswelt auffallen: Seine Liebenswürdigkeit hob erst kürzlich der Pro Markt bei einem verstorbenen Mitarbeiter hervor. Und einer 31-Jährigen schrieb eine Düsseldorfer Firma in ihre Todesanzeige, dass sie "eine hilfsbereite, von Menschlichkeit und Toleranz geprägte Art" hatte, mit der sie sich die "Anerkennung und Wertschätzung ihrer Kollegen erworben hatte". Das sind tröstende Worte, auf die die Angehörigen Anspruch haben. Denn für die Familie war das Unternehmen Teil des Lebens des Verstorbenen.

Und eins ist auch ganz sicher: Diese Anzeigen werden von den Kollegen ebenfalls aufmerksam gelesen. Und diese ziehen ihre Schlüsse, was ihnen selbst posthum an Wertschätzung durch ihre Firma widerfahren wird. Die Leistungen des Verstorbenen dürfen vorkommen. Auch wenn der "Abschluss eines Grenzkohleabkommens" von einem Anwalt möglicherweise zu detailliert ist. Aber dass sich ein Mediziner "um die berufsständischen Versorgungswerke hoch verdient gemacht" hat, das darf sein.

Beileidsbriefe muss immer der direkte Vorgesetzte und der Personalchef schreiben. Nur ein vorformuliertes Schreiben, das ist absolut tabu - denn das bemerkt jeder.

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