Business Behaviour
Kurzfristige Absagen sind ein No-go

Darf man eine Business-Einladung holterdiepolter im letzten Augenblick absagen? Die Telekom hat das gerade gemacht. Sie hat ihre - obendrein traditionelle - Cebit-Party "Talk@night" bei den 500 geladenen Gästen abgesagt. Ich halte das für kritisch.

Die Gäste von Events wie der Cebit-Party "Talk@night" der Telekom haben den Termin lange eingeplant. Je größer die Veranstaltung, umso mehr Menschen haben sich dort auch bereits verabredet - man sieht sich. Umso eher, wenn das Fest ein Ritual ist und Jahr für Jahr stattfindet.

Der Imageschaden ist zu hoch. Nicht nur im Fall einer Messeparty. Auch kleinere Einladungen sind - einmal ausgesprochen - absolut verbindlich. Die Ausladung ist immer auch ein verbaler Schlag ins Gesicht für die Eingeladenen. Dabei geht es gar nicht um die einmal gesetzten Maßstäbe, die vielleicht nicht jedes Mal machbar sind. Es ist kein Problem, wenn die Speisen und Getränke auch mal bescheidener ausfallen: Würstchen statt eines erlesenen Büfetts, Prosecco statt Champagner, Musik vom Band statt Live-Band. So mutmaßt die Zeitschrift "Capital", die Telekom befürchte negative Schlagzeilen, wenn sich mehr oder minder prominente Gäste auf Kosten des Unternehmens einen schönen Abend machten - während bei 50 000 Mitarbeitern die Gehälter gekürzt werden sollen. Die Ausladung als Demo-Maßnahme? Möglicherweise.

Doch wie empfindet man es, wenn Großunternehmen zu solch relativ geringfügigen Sparmaßnahmen greifen, nur um sich als - sagen wir mal - politisch korrekt in Szene zu setzen? Nur um möglichen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn Demonstranten wie vor kurzem beim Frankfurter Opernball waren gar nicht in Sicht. Besser ist es, solch eine Großveranstaltung mit hohem Aufmerksamkeitswert nur abzusagen, wenn man gleich eine griffige Erklärung mitliefern kann. Damit Spekulationen gar nicht mehr aufkommen können.

Doch kurzfristig absagen oder gar unentschuldigt fernzubleiben, das ist jedoch umgekehrt auch ein No-go für die Gäste. Besonders wichtig ist dies für Ehrengäste. Solche, die eine Veranstaltung aufwerten sollen - und für andere Gäste oft der Grund zur Zusage sind. Gerade diese VIPs müssen zugesagten Veranstaltungen wenigstens einen Kurzbesuch machen und sich sehen lassen - und damit den Gästen und dem Gastgeber Respekt erweisen. Und wenn sie nur für eine halbe Stunde kommen, Hände schütteln und unauffällig den Rückzug anzutreten.

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