Business Behaviour
Lassen Sie Ihren Partner zu Hause

In ihrer Freizeit wollen beruflich vollkommen ausgelastete Menschen meist jede freie Minute mit ihrem Partner verbringen. Weil es aber neben der reinen Arbeit noch andere berufliche Verpflichtungen gibt, stellt sich eine wichtige Frage: Wann muss der Liebling zu Hause bleiben und wann darf er mitkommen?

"Nur im Doppelpack bin ich in meiner Freizeit zu haben", erklärte mir ein Journalist in Washington, der in die deutsche Botschaft eingeladen war - jedoch ohne Partner. Er habe schon eine 60-Stunden-Woche und wolle in der wenigen Freizeit seine Partnerin nicht vor den Kopf stoßen und alleine ausgehen. Der Konflikt ist eigentlich für Gastgeber vorhersehbar wie vermeidbar. Doch gerade wenn Gastgeber alles ganz perfekt machen wollen, denken sie vor lauter Eifer nur an ihre Ziele und verlieren die Motive der Gäste aus den Augen. Um den Gästen diese Zwickmühle - Diskussionen zu Hause oder den frühen Abgang vom Fest - zu ersparen und die Absagequote zu senken, sind Gastgeber gut beraten, lieber gleich einen preisgünstigeren Rahmen zu wählen.

Anders ist es nur bei Betriebsfesten, bei denen sich die Mitarbeiter kennen lernen sollen - die sollten dann aber nicht freitags oder am Wochenende stattfinden. Auch bei Geschäftsessen wie nach Abschluss eines Vertrags müssen die Partner zu Hause bleiben. Bei Galas wird die Frage - alleine oder mit Anhang - schon kniffliger. Wenn es zum Beispiel gilt, bei einem Menü vom Sternekoch Leute für ihren beruflichen Erfolg zu ehren, und die Reden Nicht-Geschäftsleute nur langweilen würden, ist die Solitäreinladung angebracht. Vor allem, wenn auch die Preisträger selbst alleine kommen. Doch sobald etwa eine Unternehmerin des Jahres und ihre Vorgängerinnen alle mit Partner kommen, aber die Funktionsträger wie die IHK-Chefin alleine erscheinen sollen, wird es diskriminierend bis peinlich. Entweder alle oder keiner. Und sollte die IHK-Chefin keinen Partner haben, ist es ohnehin Aufgabe des Gastgebers, für einen Tischherrn zu sorgen. Eine glatte Zumutung ist es, Menschen wegen ihrer Position zu einem Ball - womöglich am Wochenende und obendrein in einer anderen Stadt - alleine einzuladen.

Schafft nun ein einzeln Eingeladener Fakten und bringt seine Begleitung kurzerhand mit, bleibt dem Gastgeber nur die gute Mine zum bösen Spiel. Und den Dreisten für die Zukunft von der Gästeliste zu streichen.

Bleibt die Frage, was mit Einladungen zu Dinnershows ist wie dem Spiegelzelt von Roncalli-Chef Bernhard Paul und Sternekoch Eckard Witzigmann. Darf der Gast anbieten, eine Karte dazuzuerwerben für seinen Partner, aus eigener Tasche? Ich meine: ja, jedenfalls wenn er höflich anfragt. Dann sollte der Gastgeber es aber zumindest übernehmen, die zusätzliche Karte für den Partner zu organisieren.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg

Redaktion: Claudia Tödtmann

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