Business Behaviour
Lieber morgen – unter vier Augen

So manches Mal wurde ich von Gastgebern mit der leutseligen Frage empfangen "Ich hoffe, dass Sie gut zu uns gefunden haben?" Nein. Danke. Es war schrecklich. In manchen Großstädten etwa, wo ein und derselbe Straßenname zweimal vergeben ist - in gänzlich entgegengesetzt liegenden Stadtteilen. Aber das dürfen Sie nicht zugeben - nicht jetzt.

Nach meiner Erfahrung geben Frauen übrigens die weit besseren Direktiven: Die beschreiben mehr Details und geben weitere Orientierungspunkte wie Tankstellen, S-Kurven oder Firmen auf dem Weg. Notfalls Leuchtreklamen. Hauptsache, der Suchende weiß nach drei Kilometern, ob er überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist oder schon seit drei Kilometern in die Pampa fährt. Sie glauben nicht, wie erleichternd es ist, den Kartoffelbauern zu erreichen, von dem - etwa bei längeren Strecken über Land ohne größere Schilder - als Orientierungspunkt die Rede ist. Vor allem sollten die Wegbeschreibungen auch im Dunkeln funktionieren - ganz wichtig.

So manches Mal wurde ich nämlich von Gastgebern mit der leutseligen Frage empfangen "Ich hoffe, dass Sie gut zu uns gefunden haben?" Nein. Danke. Es war schrecklich. In manchen Großstädten etwa, wo ein und derselbe Straßenname zweimal vergeben ist - in gänzlich entgegengesetzt liegenden Stadtteilen. Aber das dürfen Sie nicht zugeben - nicht jetzt. Sie bewahren Contenance, entschuldigen sich für die Verspätung - ohne Erklärung. Erst am nächsten Tag sollten Sie dem Gastgeber sagen, was Ihre Verspätung verursachte: "Darf ich Ihnen einen Tipp geben. Mir hätte in der Anfahrtsskizze Folgendes geholfen ..."

Dies gilt jedenfalls dann, wenn Sie nicht der einzige Gast sind, sondern bereits mehrere anwesend sind. Als Gast müssen Sie zur guten Stimmung beitragen und dürfen nicht - egal, wie genervt Sie sind - die allgemeine Stimmung beeinträchtigen. Wenn Sie genötigt sind zuzugeben, dass Sie sich verfahren haben, nehmen Sie es bitte zunächst vor anderen auf Ihre Kappe. Begrüßt Sie der Gastgeber aber alleine oder sind Sie der einzige Gast, dürfen Sie stöhnen.

Negatives und Kritisches gehört nie in den Small Talk oder in Gespräche mit Gästen. So ist es absolut unmöglich, wenn ein Chef den Mitarbeiter beim Kollegenausstand fragt, wie denn so die Lage sei - und derjenige am liebsten gleich eine ganze Latte von Missständen berichten würde. Wenn der Vorgesetzte sich schon diesen Fauxpas leistet und Dienstliches in geselliger Runde anspricht - quasi eine Attacke auf den Unvorbereiteten reitet - , hilft nur dieser Satz: "Oh, ich würde Ihnen gerne ganz viel erzählen. Aber lieber morgen unter vier Augen."

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