Business Behaviour
Links und rechts ein leerer Stuhl

Die Sitzordnung lügt nicht. Im Gegenteil, sie entlarvt. Wenn etwa nur wenige Plätze da sind und trotzdem die Stühle neben den Kollegen frei bleiben, die nicht den Beliebtheitspreis der Firma gewinnen würden.

Ähnlich war es bei der firmeninternen Tagung eines Münchener Konzerns, bei dem die Plätze rechts und links ausgerechnet neben dem Kollegen frei blieben, der gegen seine Abmahnung geklagt und gewonnen hatte. Die Kollegen hatten jetzt plötzlich Berührungsängste und wollten lieber gar nicht erst mit dem Kläger in Zusammenhang gebracht werden.

Ganz so, als würde sein Konflikt mit der Firma auf sie abfärben, quasi ansteckend sein. Dabei: So ein Stigmatisieren ist feige wie unprofessionell. Job ist Job und dazu gehört, mit den Kollegen kollegial umzugehen. Keiner muss sie lieben, aber ohnehin umstrittene Menschen ohne Not noch mehr zu isolieren, das muss nicht sein. Eine kompetente Führungskraft ist daran zu erkennen, dass sie ihre Hauptaufgabe - integrieren statt spalten - auch in solch kritischen Situationen nicht nur anderen predigt, sondern vor allem vorlebt. Dass sie die Lage auch im Trubel erkennt und für den Rest der Belegschaft Signale setzt. Indem sie sich demonstrativ neben den schwierigen Fall setzt.

Die leeren Stühle rund um ihn herum entlarvten auch einen Vorgesetzten in der Möbelindustrie, der sich über Jahre den Ruf als penibler Controller erarbeitet hatte - als wenig eloquenter, unnahbarer und autoritärer Mann. Er bekam seine Quittung auf der Weihnachtsfeier. Deutlich sichtbar für jeden. Alle aßen an Sechsertischen, nur er war überzählig und musste sich ganz allein an einen Tisch setzen. Und alleine blieb er auch, den ganzen, quälenden Abend lang. Nicht einmal einer der anderen Hierarchien erbarmte sich des unfreiwilligen Singles und leistete ihm Gesellschaft.

Mein Tipp in solchen Situationen ist: Winken Sie den Isolierten heran und fordern die Kollegen auf zusammenzurücken. Zuerst sind die Führungskräfte an der Reihe, erst in zweiter Linie die Mitarbeiter - etwa wenn keiner der anwesenden Chefs reagiert.

Und wie albern Berührungsängste sind, wird im Kino oder bei Vorträgen klar: Wenn mitten in der Reihe einzelne Plätze frei sind, aber andere Besucher hilflos am Rand stehen. Die Sitzenden rühren sich nämlich immer erst, wenn das Personal laut wird und Einzelne auffordert, doch bitte aufzurücken. Dabei kann das doch gleich geschehen - und ohne dem Nachbarn das Gefühl zu vermitteln, dass er ausgestoßen ist.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

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