Business Behaviour
Man trifft sich immer zwei Mal

Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch trifft sich ein junger Mann mit dem Fachabteilungsleiter einer Firma. Der verspricht, ihm in einem Monat Bescheid zu geben. Doch der Bewerber wartet bis heute auf ein Lebenszeichen. Dabei schadet ein solches Verhalten nicht nur ihm, sondern auch der Firma - denn man trifft sich immer zweimal im Leben.

Der junge Handelsblatt-Leser war ratlos: Er hatte schon seit einem Jahr Kontakt zu einem deutschen Großunternehmen, und man hatte sich darauf verständigt, Kontakt zu halten und nach seinem Stipendium im Ausland vielleicht zusammenzukommen. Die Gespräche waren bereits so weit gediehen, dass er nach einem Bewerbungsgespräch mit dem Fachabteilungsleiter gesprochen hatte - und jener ihm bedeutet hatte, dass er bald qualifizierte Mitarbeiter brauche und ihm in einem Monat Bescheid geben wolle. Der Monat verstrich, kein Anruf kam.

Anrufe bei der Fachabteilung verliefen ebenso ergebnislos wie die in der Personalabteilung. Zusagen anderer Unternehmen kamen gar dazwischen - und der Leser muss sich entscheiden. So wie ihm ergeht es vielen Bewerbern, tagtäglich. In vielen Unternehmen existiert keine stringente Koordination für diese Verfahren. Doch was tun, wenn man so vertröstet wird?

Das Beste ist, der Personalabteilung eine Mail zu schicken und den Fachabteilungsleiter auf "cc:" zu setzen, knapp die Chronologie zu schildern und um Rückmeldung zu bitten. Passiert daraufhin immer noch nichts, ist ein Anruf vier Tage später angebracht.

Tut sich dann immer noch nichts, greift Plan B: Denn manchmal entpuppen sich Unternehmen, die auf den ersten Blick nicht so verlockend wirken, als perfekte Arbeitgeber. Zumal: Gerade im Business gilt der Satz "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben", und wie schnell ist derselbe, der von einer Firma mal eine unhöfliche Abfuhr bekam, plötzlich der Entscheider für einen großen Auftrag auf der anderen Seite. Korrektes Corporate Behaviour bedeutet, dass alle - wirklich alle - Kontakte ohne Unterschied ob Kunde, Bewerber, Bittsteller für ein Sponsoring oder sonst wer vermeintlich Unwichtiges mit derselben Sorgfalt und Professionalität erledigt werden - von allen im Unternehmen, nicht nur dem Chefsekretariat. Zu- wie Absagen müssen gleich höflich erfolgen, AAA-Kunden ebenso gut behandelt werden wie Vertreter, die etwas verkaufen wollen. Ist das nicht sichergestellt, braucht man gar nicht antreten. Ahnen Sie auch nur, an welcher Stelle in Ihrem Unternehmen gerade ein Anrufer unfreundlich abgefertigt wird? Ein Vertreter das Telefon bedient und Kunden anfährt, weil er überlastet ist? Oder den Hörer gar nicht erst abnimmt und seelenruhig danebensitzt? Ist Professionalität nicht unbedingtes Ziel, sind auch keine langjährigen Beziehungen auf beruflicher Ebene gewährleistet.

Business Behaviour gibt es jetzt auch als Buch: Redline Verlag, 15,90 Euro. Zu bestellen unter: www.handelsblatt-shop.com

Redaktion: Claudia Tödtmann

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%