Business Behaviour
Meetings als Zeitkiller und Geisterbahn

Die ganz effizienten Chefs halten Konferenzen im Stehen ab. Und die dauern - kein Wunder - höchstens halb so lang wie die konventionellen. Die wenigsten Leute gehen gerne hin, weil auf die meisten am Schreibtisch genug Arbeit wartet. Je größer die Runde, desto mehr Zeitverschwendung bedeuten Konferenzen für den Einzelnen - und das Unternehmen.

Die Konferenzen, bei denen entweder alle in Hufeisenform sitzen oder mit innerem Hufeisen und einer Stuhlreihe an der Wand entlang drum herum. Für die Konferenzteilnehmer in der zweiten Reihe, die Statisten. Die wenigsten Leute gehen gerne hin, weil auf die meisten am Schreibtisch genug Arbeit wartet. Je größer die Runde, umso mehr Zeitverschwendung beim einzelnen und umso mehr Zeitverschwendung fürs Unternehmen unterm Strich. Rücksichtslos sind Selbstdarsteller, die diese Runden hauptsächlich nutzen, um sich zu inszenieren und für eine Karriere zu empfehlen.

Alles läuft darauf hinaus: Der Chef entscheidet letztlich durch seine Führung, ob das Meeting sinnvoll ist - oder zur Last für die meisten wird. Es ist an ihm, die Regeln sowie den Stil festzulegen und eindeutig zu kommunizieren. Bei Übergriffen oder gar Beleidigungen unter Mitarbeitern untereinander ist er es, der die Aufgabe hat, zu schlichten oder Einhalt zu gebieten. Ebenso ist es an ihm, seine Grundregeln deutlich zu machen: Wen er bei welcher Runde sehen will. Dass die Pünktlichen nicht auf Unpünktliche mit dem Beginn warten müssen. Dass von vornherein der Zeitrahmen feststeht. Dass niemand unvorbereitet erscheint. Oder, dass derjenige zurück an seinen Schreibtisch gehen darf, wenn alles, was ihn betrifft, vorbei ist.

Ganz wichtig ist, niemanden in so einer Runde zu diskriminieren oder bloßzustellen. Sonst wird die Konferenz nicht nur als Zeitdiebstahl angesehen, sondern gerät auch noch in die Nähe einer Geisterbahnfahrt. Die Leitung sollte darauf achten, dass Themen mit vergleichbarer Relevanz ähnliche Zeit eingeräumt bekommen. Jüngere Mitarbeiter - zuweilen berichten dies auch Frauen - fühlen sich manchmal übergangen, weil sie zu wenig Redezeit bekommen. Oder die Signale so erdrückend sind, dass sie von selbst lieber gleich schweigen: Etwa wenn die Führungskräfte ostentativ in die Luft oder in die andere Richtung schauen, wenn der Betreffende das Wort erhebt. Oder ihn gerade mal ausreden lassen, um direkt das Thema zu wechseln und in der nächsten Sekunde einen anderen Konferenzteilnehmer etwas völlig anderes zu fragen. Agiert ein Chef derart hierarchisch - und manche handeln ganz unbewusst so - , der braucht sich nicht beklagen, wenn ihm kein Mitarbeiter mehr seine kreativen Ideen erzählt.

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