Business Behaviour
Mein letzter Wille: Sonnenbrille

Wann man im Beruf seine Sonnenbrille anlassen darf – und wann nicht Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Ist es Ihnen bei den Übertragungen der Olympischen Spiele aus Athen auch aufgefallen? Ein große Zahl von Sportlern hielt es nicht einmal bei TV-Interviews für nötig, ihre dunklen Sonnenbrillen abzusetzen. Ich meine, dies ist ein grober Schnitzer - nicht nur wegen der Etikette, sondern auch aus psychologischen Gründen. Blickkontakt ist die wichtigste Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Schauspieler wie Robert Mitchum, Marilyn Monroe, Al Pacino hatten eine besondere Fähigkeit, Blickkontakte mit der Kamera aufzubauen. Sie wussten, dass nur Blicke Sympathie und Vertrauen beim Zuschauer erzeugen.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis meint sogar: "Dem häufigen und ständigen Tragen dieses Accessoires haftet ein Hauch von Unseriosität an. Es sieht so aus, als habe man etwas zu verbergen." Die Ausnahme: "Diese Regel gilt nicht für die italienischen Polizisten, Gigolos oder Mitglieder der Cosa Nostra", schränkt sie ein.

In unserer Kultur und in den USA ist Blickkontakt ganz wichtig, - im Gegensatz zu Asien. Dort wirkt er sogar indiskret und ist zu vermeiden. In einem Gespräch läuft es dort so, dass man sich zwischendurch immer mal wieder ganz kurz ansieht. Asiaten schauen immer wieder länger gen Boden oder auf ihren Schoß. Die Ansicht wie in Europa, dass man durch den festen Blick in die Augen des Gegenüber Rückschlüsse auf seine Denkweise zieht, gilt in Asien nicht. Die Empfindung aus dem direkten, persönlichen Blick-Kontakt, dass man sich einig ist, können Sie nicht erwarten.

Grundsätzlich gilt: Mindestens beim Begrüßen, aber auch beim anschließenden Gespräch darf man keine Sonnenbrille auflassen. Für den Gesprächspartner ist es ein unangenehmes Gefühl, keine Reaktionen beim Gegenüber sehen zu können. Hellblau getönte Gläser, wie sie die Pop-Sängerin Anastasia populär machte, sind zulässig. Schließlich bleibt der Blickkontakt. Beim Business-Lunch im Freien tragen Sie bitte nur dann eine Sonnenbrille, wenn es unbedingt erforderlich ist. Wenn Sie geblendet sind, dürfen Sie sie selbstverständlich aufziehen und erklären: "Bitte entschuldigen Sie, dass ich die Sonnenbrille aufsetze, aber die Sonne ist so grell."

Zwar hat die Sonnenbrille mittlerweile den Status eines modischen Accessoires erlangt. Im Freizeitbereich ist das auch in Ordnung, aber sie im Geschäftsleben nur aus modischen Erwägungen aufzusetzen ist unprofessionell und unhöflich.

Etwas Anderes ist das, wenn man triftige Gründe hat. So wie meine Freundin, eine Geschäftsfrau in Wiesbaden. Der ist es immer hochnotpeinlich, wenn sie ihre getönte Brille auch in Gesprächen "immer auflässt, um wenigstens die Speisekarte lesen zu können". Aber sie muss aus medizinischen Gründen einfach ihre Augen schützen. In so einem Fall sind allerdings ebenfalls ein paar erklärende Worte angebracht.

Was gar nicht geht und völlig unangebracht ist: Dass jemand im geschlossenen Raum eine Sonnenbrille trägt. Ich hatte schon eine Besucherin bei einem Abendessen im Winter, die selbst am Tisch die Brille aufließ - zur Verwunderung der anderen Gäste. Der Schuss ging nach hinten los: Wollte die 60-jährige Dame aus Eitelkeit einen besonders guten Eindruck hinterlassen - sie entschuldigte sich nämlich mit ihren "Falten um die Augen" - so erreichte sie das Gegenteil. Jeder wurde darauf aufmerksam.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten können Sie  hier nachlesen.

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