Business Behaviour
Meine Türen stehen immer offen

Meine Türen stehen für meine Mitarbeiter immer offen." Mit diesem Standardsatz beschreiben sich deutsche Chefs am allerliebsten. Um sich als teamorientiert und verständig der Öffentlichkeit darzustellen.

Und nicht als Vorgesetzte im Elfenbeinturm, die für ihre Mitarbeiter meist unerreichbar und unnahbar sind. Was sie damit aber ihren Leuten keinesfalls sagen wollen, ist: Kommen Sie rein, wann immer Sie wollen und wenn Ihnen nach einem Pläuschchen zu Mute ist.

Doch eben diesem Missverständnis unterlag offenbar der Student eines Bonner Professors für Wirtschaftswissenschaften, der in dessen Büro hereinplatzte und ein Gespräch begann. Die Frage mit den drei Zauberworten "Störe ich gerade?" kannte der junge Mann wohl nicht. Doch dann wurde es erst richtig lustig. Der Student kam hinter den Schreibtisch seines Professors, schaute ungeniert auf dessen Bildschirm und sagte: "Na, Sie haben ja auch viel E-Mail-Eingang." Drei Fauxpas in zwei Minuten. Erstens ist die Zone hinter dem Schreibtisch anderer Leute Sperrgebiet. Zweitens ist der Blick auf den Bildschirm tabu. Zum Vergleich: Eine geöffnete Akte auf dem Schreibtisch wäre es auch. Drittens: Das Gesehene auch noch lauthals zu kommentieren, ist ein endgültiger Übergriff.

Was der so Beglückte noch machen kann? Je nach Lage der Dinge sollte er humorvoll oder belehrend reagieren. Ersteres könnte so laufen: "Dann lassen Sie uns doch mal zu Ihrem PC gehen und schauen, was der mir so über Sie verrät." Ist - zweitens - der andere dagegen jünger, kürzer im Job, und müssen Sie befürchten, dass er so distanzlos auch bei Kunden und Geschäftspartnern auftritt, sollten sie vielleicht lieber gleich deutlich werden: "Mag sein, aber das ist allein meine Sache. Und im Übrigen möchte ich hinter meinem Schreibtisch alleine sein." Die Regel ist wie bei jeder Kritik: Immer als Ich-Botschaft. Dasselbe gilt in Großraumbüros, in denen schon die Architektur oft erzwingt, hinter den Schreibtisch von anderen zu treten. Jeder Blick auf einen fremden Bildschirm ist indiskret. Lässt es sich nicht vermeiden, lesen Sie wenigstens nicht.

Ähnliche Distanzlosigkeiten erlebe ich auch in diesen Fällen: Wenn jemand gerade hochkonzentriert arbeitet - und ein anderer völlig gedankenlos hereinplatzt und direkt losplappert. Über Dinge, die erst in vier Wochen wichtig werden und momentan zweitrangig sind. Dann ist Ehrlichkeit das Konsequenteste: "Tut mir leid, aber jetzt habe ich absolut keine Zeit. Wir können gerne morgen sprechen." Am besten ergänzen Sie, dass Sie eine wichtige Terminsache erledigen müssen. Dann weiß der andere, dass er nicht abgewimmelt wird. Und er hat einen Anknüpfungspunkt für Small Talk, wenn er den nächsten Anlauf unternimmt.

Business Behaviour

gibt es jetzt auch als Buch: Redline Verlag, 15,90 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%