Business Behaviour
Mit verbalen Ellenbogen

Andere zu unterbrechen ist unhöflich - aber geschieht laufend Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Erst wurde er immer wieder unterbrochen, mitten im Satz - und das auf der Bühne, vor laufenden Kameras. Dann kam er gar nicht erst zu Wort. Die Politiker, mit denen er eigentlich diskutieren sollte, fuhren Reinhard Sprenger - dem Management-Guru und Bestseller-Autor - über den Mund. Vor Millionen von Zuschauern in der Talk-Show von Sabine Christiansen, Sonntagabend zur besten Sendezeit. Selbst die Gastgeberin konnte die verbalen Ellenbogen-Attacken der Politprofis nicht verhindern. Sie versuchte sogar noch, die Situation zu retten, indem sie sich am Ende der Sendung ausdrücklich bei den Zuschauern entschuldigte für das schlechte Benehmen dieser Gäste.

Doch Reinhard Sprenger brodelte schier: Er schwankte, ob er sich ebenso brachial durchsetzen und seine gute Kinderstube vergessen sollte - oder ob er trotz allem höflich bleiben sollte. Er blieb es, zähneknirschend.

Frauen im Job kennen das Phänomen. Sie sprechen mit einer Sekretärin über eine dienstliche Angelegenheit, ein Mann von derselben Hierarchieebene betritt den Raum und platzt einfach dazwischen. Ob die Dame dies oder jenes mal eben für ihn tun könne. Und prompt passiert, was die gleichgeordnete Kollegin zur Raserei bringt: Die Sekretärin wendet sich von ihr ab und lässt das männliche Sperrfeuer damit auch noch zu.

Gerade im interkulturellen Kontakt, in dem wir zunehmend mit China und bald auch Indien zusammenarbeiten, müssen wir unbedingt sensibler als hier zu Lande miteinander umgehen, um Vertrauen aufbauen zu können. Hier habe ich manchmal eher das Gefühl, einem Wettbewerb an verbaler Ellenbogenmentalität beizuwohnen.

Wie Sie sich in solchen Fällen am besten zur Wehr setzen können? Sie sagen laut und deutlich: "Ich möchte meine Ausführungen ungestört zu Ende führen." Oder: "Ich lasse mich nicht unterbrechen." Sprechen Sie dabei dann aber auch konsequent weiter, und zwar sofort.

Nur eins sollten Sie nicht tun: anderen Menschen Belehrungen erteilen und sagen "Sie sollten mich nicht unterbrechen". Das klingt nur beleidigt, und Sie haben psychologisch plötzlich den Schwarzen Peter in der Hand. Ganz abgesehen davon, dass es auch ungezogen wäre, andere so zu belehren.

Business Behaviour gibt es jetzt auch als Buch: Redline Verlag, 15,90 Euro.

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