Business Behaviour
Neinsager und Zeitdiebe

Eine Absage zu bekommen ist eine Sache. Aber dass der Ablehnende dem anderen obendrein - fast wie zur Strafe - noch die Zeit stiehlt, eine andere. Dann wird es fast unverschämt. Wenn der Ablehnende, nur um sein Gewissen zu beruhigen oder - was völlig unangemessen ist - um den anderen irgendwie zu belehren, sich in stundenlangen Erklärungen ergeht.

Zum Beispiel ein Manager, der ein Jobangebot einer Firma im letzten Augenblick absagt, aber es sich mit dem Unternehmen nicht ganz verderben will, und deshalb auf gut Wetter macht. Seine Absage schmückt er mit langen, ausschweifenden persönlichen Erklärungen am Telefon aus oder wird gar persönlich vorstellig und blockiert damit den anderen auch noch. Danke schön.

Ähnlich erging es kürzlich meiner Freundin, einer Journalistin, bei einer Umfrage unter Großunternehmen. Eine Führungskraft eines Dax-30-Unternehmens bat sie um Rückruf und machte es ganz wichtig. Aber nur, um seine Teilnahme abzusagen, ihr dabei aber noch lang und breit seine persönliche Meinung darlegte und letztlich zu verstehen gab, dass ihm ganz persönlich die Fragen nicht gefielen. Ärgerlich, wenn man auf diese Weise als abschlägig Beschiedener zu weiteren Investitionen an Zeit und Telefonkosten gezwungen wird. Und dabei auch noch freundlich bleiben muss.

Es gilt immer noch die alte Regel: Auf eine höfliche Frage ist mit einer höflichen Antwort zu parieren - und zwar tunlichst auf demselben Kommunikationsweg. Gar keine Antwort zu bekommen ist für den Anfragenden immer unangenehm. Genauso unhöflich ist es, erst so spät zu reagieren, dass der Fragende mit keiner Antwort mehr rechnet oder sie ihm nichts mehr nützt. Seien es Bewerber für einen Praktikantenplatz oder Umfrager oder Geschäftspartner, die eine Antwort erbitten. Ein klares Nein ist zwar enttäuschend, aber professionell und in dem Sinne höflich, dass man wenigstens reagiert und den anderen nicht in Ungewissheit warten lässt.

Ein höflicher Mensch versucht, jeden aus einer Position des Bittstellers herauszuholen, denn jeder ist einmal in der Rolle des Bittstellers oder könnte es zumindest sein. Deshalb kennt er die Interessen des anderen und verhält sich entsprechend rücksichtsvoll. Den anderen aber in die Warteschleife zu verbannen und dort verhungern zu lassen - das darf nicht sein.

In die Bredouille kommt auch leicht, wer eine Zusage von einer hochrangigen Persönlichkeit als Ehrengast zu einer Veranstaltung bekommen hat: Stolz wird auf den Einladungen mit dem Minister oder Vorstand geworben, der das neue Werk eröffnen soll. Doch natürlich gibt es gerade bei Personen mit wichtigen Funktionen immer Gründe, die eine Absage erforderlich machen. Aber bitte, so früh wie möglich.

Es ist sogar richtiggehend unfair, wenn der Anfrager, der auf den Ehrengast oder Redner gehofft hat, in letzter Minute eine Absage erhält und ihm gar keine Zeit bleibt, einen adäquaten Ersatzmann zu finden. Das Mindeste, was der Absagende dann machen kann, ist dies: Er bietet einen Vertreter aus dem eigenen Hause an.

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