Business Behaviour
Nie alleine mit dem Tiramisu

Die Tücken der Restaurant-Auswahl, die Rechnungsübernahme und der Wein. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Über die Qual der Wahl des Restaurants für das Business-Lunch Was so nett klingt, entpuppt sich kurz darauf immer wieder als Falle. Eigentlich geht es nur um die Wahl des richtigen Restaurants für einen Business-Lunch, doch der Teufel steckt im Detail: Derjenige, der wahrscheinlich die Rechnung übernimmt, kommt aus einer anderen Stadt und bittet den Ortskundigen leutselig: "Ich kenne mich in Düsseldorf nicht so gut aus, suchen Sie doch bitte einfach etwas aus." Und schon hat der Düsseldorfer den Schwarzen Peter in der Hand: Welche Preiskategorie? Etwas Besonderes? Ein In-Treff, ein Traditionslokal oder etwas Uriges wie eine Brauerei? Möglicherweise ist in diesem Moment noch nicht mal so richtig klar, wer später bezahlt, weil beide ein geschäftliches Interesse verfolgen.

Fest steht: Spezielle Restaurants wie Japaner, das vegetarische Restaurant oder ein Fischrestaurant sind zu riskant. Haken Sie geschickt nach, um herauszufinden, was zum Spesenbudget des Einladenden passt: "Was bevorzugen Sie denn? Geben Sie mir bitte einen Anhaltspunkt." Oder Sie bieten Auswahl: "Um die Ecke ist ein netter Italiener, es gibt aber auch ein sehr schönes französisches Restaurant." Und hoffen, dass das Signal - Französisch teurer, italienisch in allen Preislagen möglich - ankommt. Mein Tipp: Man kann nicht viel verkehrt machen, wenn man in der mittleren Preislage bleibt, weder Pizzabäcker noch Nobelitaliener.

Am einfachsten ist, wenn das Geschäft groß ist und der Auftragnehmer gut daran verdienen wird. Dann darf er sich nicht kleinlich zeigen, sondern muss mit ersten Adressen aufwarten. Etwa ein Top-Anwalt und ein M-Dax-Vorstand, die ein profitables Mandat erörtern.

Achten Sie auf eins: Die Tische sollten weit genug auseinander stehen. Den Fehler habe ich einmal gemacht, als ein Chef einer Unternehmensberatung auf dem Absatz kehrt machte. Er hatte Angst, die Leute am Nachbartisch könnten lauschen. Er steuerte in seine Niederlassung, zu essen gab es nichts mehr und die Atmosphäre? Entsprechend.

Ist das Geschäft noch nicht sicher, bleibt die Frage, wer zahlt, oft lange offen. Die Grundregel: Wer die Idee hatte, zahlt. Noch vor dem Bestellen sollte der Gastgeber sagen: "Ich möchte Sie heute einladen." Und dann dem Gast mutig eine Orientierung geben - ihn zappeln lassen ist unhöflich. Denn Fragen stellen sich dem Eingeladenen auch jetzt. Soll es Vorspeise, Hauptgericht und Dessert geben? Helfen Sie, indem Sie etwas empfehlen. Jedenfalls haben Sie als Gastgeber eine Pflicht: Auch wenn Sie selbst kein Dessert mehr möchten, dürfen Sie deshalb den Gast nicht um seins bringen. Sind nur zwei anwesend, müssen Sie auch eins bestellen, auch wenn sie es fast nicht anrühren. Nur wenn sie zu dritt sind, darf man als Gastgeber verzichten, wenn keiner alleine seine Tiramisu essen muss.

Das Hauptproblem, vertraute mir ein Unternehmenssprecher an, sei für ihn die Frage, ob er ein Glas Wein vorschlagen soll - oder ob man ihn dann schon als Alkoholiker ansieht. In Süddeutschland ist das keine Frage und ich meine, auch anderswo nicht. Er muss es anbieten, ein Glas Wein gehört dazu. Und wer es nicht mag - Nippen genügt. Hauptsache, der andere sitzt nicht alleine da mit seinem Glas Wein.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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