Business Behaviour
Ratschläge sind auch Schläge

Besserwisserei, gute Ratschläge, Vorwürfe - all das hört man nicht gern, aber auch im Beruf immer wieder. Der beste Rat: souverän bleiben.

Kaum hatte der neue Kollege seinen Mantel im Doppelbüro ausgezogen und über die Stuhllehne gehängt, kassierte er den ersten sachdienlichen Hinweis. "Hängen Sie den Mantel dahinten an den Haken. Der Stuhl ist für Besucher da." Schwupps. Da war es wieder. Uncharmante Besserwisserei. Wichtiger, als erst einmal den Neuen willkommen zu heißen. Wichtiger, als ihn erst mal ankommen zu lassen. Kein Besucher war weit und breit in Sicht. Könnte aber. Aha. Und was ist die natürlichste Reaktion auf so ein Überfallenwerden mit Verhaltensmaßregeln? Richtig, zuzuschnappen wie eine Auster. Mein Rat: Sich ruhig und freundlich vorstellen. Und erst in zehn Minuten den Mantel aufhängen.

Ähnlich wirken die vielen guten Ratschläge. Da erzählt jemand, er habe ein dicke Erkältung und öffnet unversehens eine Schleuse. Da kommen die vielen Therapie-Tipps der Laien-Mediziner - ungefragt. So als ob sie der Erziehungsberechtigt seien. "Nimm Umckaloabo." Oder "Echinacin, das hilft immer." Am fürsorglichsten war mal ein wohlmeinender Geschäftspartner eines Freundes, der gleich losregelte. "Rufen Sie mal meine Freundin an, die ist Heilpraktikerin. Notieren Sie doch die Nummer. Ich rufe sie jetzt an und kündige Ihren Anruf in fünf Minuten an." Sprach's und hängte ein. Mein Freund blieb ratlos zurück. Weder wollte er seinen Geschäftspartner vor den Kopf stoßen noch wildfremde Heilpraktiker behelligen. Er ließ es. Der andere fragte auch glücklicherweise nie mehr nach.

Der Drang zu guten Ratschlägen ist nur so zu erklären: Der Ratgeber mimt den Gut-Mensch, ohne dass es ihn etwas kostet. Wer es wirklich gut meint, sollte lieber irgendetwas vorbei bringen, Apfelsinen oder Vitamin-C-Pulver - Hauptsache persönlichen Einsatz zeigen. Alles andere kann man auch gleich lassen - es sei denn, er wird ausdrücklich gefragt.

In Bedrängnis gar bringen einen die Vorwerfer. Die belassen es nicht bei Tipps, sondern setzen zu Vorwürfen an wie: "Ich habe ja immer gesagt, Du isst zu wenig Obst." Die haben dem Kranken dann gerade noch gefehlt. Auch hier: Souverän überhören ist am besten. Manche Kollegen möchten einem wirklich nur etwas Gutes tun: sei es die Diät, die perfekte Schmerztablette oder der gemeinsame Beitritt in einen Fitness Club. Sie stülpen eigene gute Erfahrungen den Kollegen über - im Glauben, sie könnten den Rat brauchen. Diese Form der noch so ehrlich gemeinten Lebensverbesserung geht zu weit. Da hilft nur eine Ich-Botschaft wie: "Vielen Dank, ich erkenne den gut gemeinten Ansatz, aber ich werde wohl doch kein Mitglied im Fitness Club."

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