Business Behaviour
Rosenkrieg in der Firma

Kündigungen sind so emotionsbeladen wie Ehescheidungen Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Möchten Sie so von Ihrem Unternehmen verabschiedet werden? In Ihrem Urlaub per Telefonanruf? Das Unternehmen, in das Sie Engagement und Herzblut gesteckt und bei der Arbeitszeit nie auf die Uhrzeit geschaut haben? Einem Chefredakteur eines Fachblattes erging es vor kurzem so, nachdem er sich mit seinem Verlag gestritten hatte. Diesen Stil sollte sich keine Firma leisten - zumindest im Hinblick darauf, dass es doch auch einen Nachfolger finden möchte.

Noch schlimmer traf es den Geschäftsführer, der nach so einem Zerwürfnis gleich den Schlüssel abgenommen und Hausverbot erteilt bekam. Oder denjenigen, der morgens in seine Firma kam, die Festplatte seines PC war schon abmontiert, das Telefon ebenso, und das Vorzimmer war komplett geräumt. Oder denjenigen, der wie in einem US-Film nur noch Zeit zum Packen seiner persönlichen Gegenstände bekam - unter Aufsicht von Wachleuten. Arbeitsrechtler können stundenlang solche Beispiele erzählen.

Die Signale an die Belegschaft sind fatal, auch wenn sie nicht gleich wahrnehmbar sind. Jeder fragt sich, wann werde ich so behandelt? Unternehmenslenker, die sich so unprofessionell aufführen, benehmen sich wie verlassene Ehepartner. Rosenkrieg in der Firma. Mein Rat: Gerade in diesen Situationen ist superkorrektes, ganz formelles Auftreten unerlässlich - Hauptsache, Würde und Anstand bleiben gewahrt.

Eine Führungskraft, die - auf wessen Initiative auch immer - geht, sollte beim Auszug ebenso Packer gestellt bekommen wie beim Umzug innerhalb der Firma. Wachpersonal oder andere Aufpasser sind fast immer übertrieben. Kein Mitarbeiter ist plötzlich ein Krimineller, nur weil er fortgeht. Im Gegenteil, meist begegnet man dem anderen wieder, manchmal ausgerechnet im Unternehmen eines Auftraggebers. Und dann ist Rache Blutwurst - und Sie bezahlen den Fauxpas auch noch mit Umsatzverlust. Oder haben Ihre liebe Not, beim nächsten Zusammentreffen wieder gut Wetter zu machen.

Für die Kollegen, die zurückbleiben, gilt: Geben Sie sich normal, wie immer oder legen Sie besonderen Wert auf Höflichkeit. Wer sich jetzt sichtbar abwendet oder den Kündigenden als Verräter behandelt und womöglich schneidet oder ausgrenzt - von Informationen, Konferenzen oder am Mittagstisch - outet sich selbst als Opportunist.

Für einen Ausstand auf Firmenkosten sollte die Linie erkennbar sein. Wenn schon die Firma keinen geben will, sollte sie aber niemanden dazu zwingen - direkt oder indirekt - in eine Kneipe ausweichen zu müssen.

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