Business Behaviour
„Rufen Sie bitte Ihren Boss noch an“

Hier zu Lande mag es schick sein, jung auszusehen und jugendlich zu wirken - zumindest solange der Jugendwahn in den Unternehmen noch weiter anhält. In Asien können jüngere Manager dagegen unangenehme Erfahrungen machen. Dies erlebten zwei ambitionierte Führungskräfte Anfang 30.

Für ihre Firma, ein Dax-Unternehmen, sollten sie Expansionsmöglichkeiten im chinesischen Markt sondieren: Oft führten sie Gespräche mit chinesischen Gesprächspartnern, die sie anschließend baten, doch ihren Boss in Deutschland anzurufen - um eine Bestätigung einzuholen. Schätzen Asiaten mit ihrer Beziehungskultur doch ältere und erfahrene Geschäftsleute sehr.

Wie sich junge Manager in Asien in so einer misslichen Lage verhalten können? Sie können vorbeugen. Etwa indem sie oft ihre Unternehmenskultur erwähnen, die Tradition ihrer Firma, indem sie von den Gründern sprechen und deren Überzeugungen, die noch heute im Unternehmen gelten. Wichtig ist, die Stärke des Vorgesetzten zu erwähnen - das wertet auch den Mitarbeiter selbst auf. Asiatischen Geschäftspartnern gibt das ein gutes Bauchgefühl, und es ermöglicht ihnen, deutsche Repräsentanten einem Unternehmen zuzuordnen. Aus ihrer Sicht ist immer die Gruppe, die Firma entscheidend - weniger der einzelne Mitarbeiter. Wichtig ist es zudem, Persönlichkeiten, die man kennt, zu erwähnen. Was wir als Angeben - Namedropping - empfinden, ist in China Signal: ein Signal, wonach diese Information als Bestätigung eines wichtigen Beziehungsnetzes anzusehen ist.

Umschiffen sollten Sie dagegen die deutsche, sehr direkte Geschäftssprache. Zum Beispiel die Frage "Heißt das nun Ja oder Nein?" ist ein Affront gegenüber Chinesen, denn sie haben dann ein Problem. Ein "Nein" gibt es nicht, und Probleme werden möglichst umgangen. Und genau dies zu bemerken, dazu hat ein Deutscher fast keine Chance. Statt sichtbar verärgert zu sein, würde ihn ein Asiate nur anlächeln, um den Fauxpas des anderen zu kaschieren. Probleme sprechen Chinesen nur indirekt an, und es dauert eine Zeit lang, bis Positionen geklärt sind. Oder ganz konkret: Die Mittagszeit zu ignorieren und weiter zu verhandeln ist in China ein Fehler. Selbst wenn der Abschluss schon zum Greifen nah ist. Stattdessen muss unbedingt unterbrochen und ein Restaurant - am besten ein Séparée - besucht werden. Und: Nie ins Freie setzen - weil gerade bei chinesischen Geschäftsfrauen die helle Haut das Schönheitsideal ist.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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