Business Behaviour
Sagen Sie nichts, Hildegard

Wenn sich keiner traut, dem Chef zu sagen, dass seine Hose offen ist Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Wie gebannt schaut man auf sein Gegenüber und rätselt sekundenlang: Sag ich jetzt was oder lass ich´s lieber? Das Salatblättchen oder der Lippenstift auf den Zähnen ganz nach dem Muster der Nudel bei Loriot, die durchs Gesicht wandert, aber er sein Gegenüber, Hildegard, nicht zu Wort kommen lässt. Jedem passiert so etwas mal und das eigentlich Tragische daran ist, dass demjenigen nicht bewusst ist, dass er sich in einer peinlichen Lage befindet. Sind es nur Kleinigkeiten, die leicht zu beheben sind, tun Sie es bitte. Umgekehrt wären auch Sie froh. Bleibt die Frage des Wie. Ich rate zu Ehrlichkeit. Die Bemerkung "Entschuldigung, Sie haben da ein Blättchen auf den Zähnen." lässt sich auch unauffällig zuraunen.

In fünf Benimm-Büchern habe ich schon versucht, einen Rat zu genau dieser Situation zu finden, Fehlanzeige auf ganzer Linie. Dabei passiert derlei oft: Da marschiert der Chef durchs Großraumbüro, spricht mit mehreren Leuten - aber dass die ganze Zeit der Reißverschluss seiner Hose offen ist, merkt er nicht. Und keiner traut sich, ihm das zu sagen. Courage und Höflichkeit erfordern in diesem Fall jedoch dasselbe, eine Warnung: Wer den Chef so laufen lässt, macht sich mit schuldig. Ohne Vorrede brauchen Sie ihm nur halblaut sagen, "Ihr Reißverschluss ist offen." Sonst geht es ihm wie dem Redner, der erst kürzlich einen Architekturpreis in Hamburg verlieh - ohne Rednerpult. Der Ärmste blieb ahnungslos, geschlagene drei Stunden. Dass in der Pausen und beim Empfang später alle darüber sprachen, war klar.

Etwas anderes ist es, wenn jemand an einer Malaise gar nichts ändern kann: der Tomatenfleck auf der Krawatte oder die Laufmasche. In dem Moment ist schlichtes Ignorieren angesagt. Bleibt die Frage, was tun, wenn ein Gast im falschen Dress auftaucht? Der Unverkleidete auf dem Kostümfest ist nur ein Hingucker, das Gegenteil ist der Gipfel der Peinlichkeit. Unpassend fühlt sich auch schon, wer als einziger im Anzug dasitzt, wenn alle anderen Pullover und Jeans tragen. Dann muss der Gastgeber die Situation offen ansprechen und gleich die Schuld auf sich nehmen: "Ich glaube, ich habe versäumt zu sagen, dass es leger zugeht. Aber Hauptsache, wir sind zusammen."

Ein Vorbild gaben mir mal die Asiaten in Singapur beim chinesischen Neujahrsfest. Als fast alle Ausländerinnen nicht in der traditionellen roten Farbe gekommen waren - und der einladende Geschäftsmann elegant darüber hinwegsah.Obwohl der Fauxpas so schwerwiegend war, als wenn jemand im roten Kleid zur Beerdigung kommt.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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